Die BRICS können die Abhängigkeit vom Dollar „einfach“ verringern, ohne auch nur eine euroähnliche gemeinsame Währung „versuchen“ zu müssen.
Man kann den Handel auch in nationalen Währungen über ein multilaterales Clearingsystem abzuwickeln und den Mitgliedern so eine produktive Nutzung für die angesammelten Salden ermöglichen.
„Vermittler“ werden überflüssig
Sogar Handel, der nie die USA berührt, läuft oftmals durch den Dollar. Importeure erhalten Dollar, Banken nutzen dollarbasierte Kanäle und Regierungen halten Dollarreserven. Die direkte Abwicklung in Rubel, Rupien, Yuan oder anderen BRICS-Währungen beseitigt diesen Vermittler automatisch, senkt die Umwandlungskosten und auch die Belastung gegenüber finanziellen Sanktionen.
Ungleicher Handel schafft jedoch ein weiteres Problem. Wenn ein Land weit mehr exportiert, als es importiert, häuft es die Währung eines Partners an, mit zu wenigen Möglichkeiten zum Ausgeben oder Investieren. Diese ungenutzten Salden können schließlich dazu führen, dass Exporteure Zahlungen in der lokalen Währung ablehnen könnten.
Das vorgeschlagene System würde also begrenzen, wie viel von jeder Währung die Mitglieder halten. Eine BRICS-Clearing-Institution würde die Handelsströme mehrerer Länder netto verwalten, anstatt jede Lieferung separat abzuwickeln. Überschüssige Salden könnten in Staatsanleihen, Infrastruktur- und Entwicklungsfonds investiert, durch Währungstausche umgetauscht oder als „letztes Mittel“ umgewandelt werden.
Dollar-Beständigkeit wird angegriffen
Dies richtet sich somit auf die Funktion, die dem Dollar einen Großteil seiner Beständigkeit verleiht. Länder akzeptieren Dollar unter anderem, weil die tiefen US-Märkte es ihnen ermöglichen, Handelsüberschüsse in liquide Anlagen zu reinvestieren. BRICS benötigt allerdings keine gemeinsame Zentralbank oder Fiskalpolitik, um diese Funktion zu reproduzieren. Es sind einzig glaubwürdige Abwicklungsregeln und nützliche Vermögenswerte für Überschussinhaber erforderlich.
Einige Bausteine dazu existieren bereits. Die Zentralbanken der BRICS haben eine freiwillige Cross-Border Payments Initiative entwickelt und diskutieren über BRICS Clear, ein mögliches unabhängiges Abwicklungs- und Einlagennetzwerk. Indiens spezielle Vostro-Rupie-Konten ermöglichen es ausländischen Banken bereits jetzt, Handelserlöse aus Rupien zu halten und in zugelassene Schuldtitel zu investieren.
Wechselkursrisiko, Kapitalverkehrskontrollen, ungleiche Märkte und politisches Misstrauen bleiben allerdings mögliche Hindernisse. Eine Clearing-Union muss nationale Währungen haltenswert machen, wenn Handelsungleichgewichte zunehmen. Ein solches System würde den Dollar freilich nicht über Nacht verdrängen. Sein Wert liegt darin, mehr Handel über die Dollarabwicklung hinaus zu bewegen, die Abhängigkeit von Reserven zu verringern und die Reichweite westlicher Finanzsanktionen einzuschränken.
Die Dollar-Macht kann somit durch die Zahlungsinfrastruktur schon lange vor der Einigung der BRICS auf eine gemeinsame Währung schwinden.
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