Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die europäischen Staaten um mindestens 70 Milliarden Euro zusätzliche Unterstützung für 2027 gebeten.
Beim EU-Gipfel in Brüssel bezifferte er am 16. Oktober die erwarteten Kriegskosten seines Landes im kommenden Jahr auf 155 Milliarden Euro. Das erbetene Geld solle Verteidigung, Waffenbeschaffung und die Widerstandsfähigkeit der Ukraine finanzieren.
Beide Summen stammen aus Selenskyjs eigener Darstellung. Die Forderung ist keine bereits beschlossene europäische Finanzierungszusage. Nach seinen Angaben könnten zusätzliche Mittel unter anderem helfen, die ukrainische Drohnenproduktion zu verdoppeln oder zu verdreifachen. Dafür warb er auch um Investitionen in Rüstungsbetriebe und gemeinsame Fertigung mit Partnerstaaten.
Besonders dringend sei die Lieferung von Abfangraketen gegen ballistische Geschosse. Selenskyj begründete dies mit den russischen Angriffen auf die Energieversorgung und den Vorbereitungen auf den Winter.
EU-Ratspräsident António Costa versicherte ihm bei einem gemeinsamen Auftritt mit Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen weitere Unterstützung. Zugleich sprach er sich gegen eine Lockerung der Russland-Sanktionen aus. Eine konkrete Zusage über die geforderten 70 Milliarden Euro enthielt seine veröffentlichte Erklärung nicht.
Wie eine zusätzliche Finanzierung aussehen könnte, bleibt Gegenstand politischer Beratungen. Estlands Ministerpräsident Kristen Michal sagte Reuters, die EU werde wahrscheinlich einen weiteren Kredit bereitstellen müssen, um die ukrainische Finanzierungslücke zu schließen. Das ist seine Einschätzung, kein gemeinsamer Beschluss.
Selenskyj verlangte außerdem, eingefrorene russische Vermögenswerte dauerhaft abzusichern und umfassender nutzbar zu machen. Dafür schlug er eine besondere Verwahrstelle unter EU-Kontrolle vor. Über Umfang, Finanzierungsform und Verteilung neuer europäischer Hilfen entschieden die von ihm vorgelegten Forderungen noch nicht.
***









