Die US-Regierung erwägt offenbar, den ehemaligen ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán für das Amt des UN-Generalsekretärs zu nominieren. Mit Unterstützung Russlands und Chinas könnte er zum Nachfolger von António Guterres werden. Innerhalb der Trump-Administration gilt Orbán als Wunschkandidat des konservativen Lagers.
Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hat dem ehemaligen ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán vorgeschlagen, für das Amt des Generalsekretärs der Vereinten Nationen zu kandidieren. Das berichtet das Wall Street Journal (WSJ) unter Berufung auf informierte Kreise in drei Ländern.
Eine endgültige Entscheidung über seine Kandidatur sei bislang nicht gefallen. Nach Angaben der Zeitung könnte Orbán als gemeinsamer Kandidat Washingtons, Moskaus und Pekings ins Rennen gehen. Vertreter der USA und eines weiteren Landes erklärten gegenüber dem WSJ, dass die drei Großmächte ihre gemeinsamen Interessen im UN-Sicherheitsrat in der Regel durchsetzen könnten, wenn sie sich auf ein gemeinsames Ziel verständigten.
Ein Vertreter des US-Außenministeriums erklärte, Orbán könne mit hoher Wahrscheinlichkeit auf acht Stimmen im Sicherheitsrat zählen. Zwei weitere Stimmen seien ebenfalls möglich, allerdings mit geringerer Sicherheit. Insgesamt gehören dem Gremium 15 Staaten an.
Großbritannien und Frankreich dürften einer möglichen Ernennung Orbáns nach Einschätzung der Gesprächspartner kaum im Wege stehen. Beide Länder gingen traditionell zurückhaltend mit ihrem Vetorecht um.
Wunschkandidat der Trump-Administration
Innerhalb der Trump-Regierung gilt Orbán als Politiker, dessen ideologische Positionen weitgehend mit denen der amerikanischen Konservativen übereinstimmen. Einer der Gesprächspartner des WSJ bezeichnete ihn als „Dream Candidate“, also als idealen Kandidaten für die konservative MAGA-Bewegung („Make America Great Again“).
Zu den aus Sicht amerikanischer Regierungsvertreter entscheidenden Vorzügen Orbáns zählen insbesondere seine restriktive Haltung in der Migrationspolitik sowie seine langjährige Erfahrung in politischen Auseinandersetzungen mit europäischen Institutionen.
Nach Informationen des WSJ hat der ehemalige ungarische Regierungschef bereits Interesse an einer möglichen Kandidatur signalisiert. Allerdings wolle er sich erst dann offiziell um das Amt bewerben, wenn er ausreichend Gewissheit über seine Erfolgsaussichten habe.
Eine Bekanntgabe seiner möglichen Kandidatur wird dem Bericht zufolge erst nach den Zwischenwahlen in den Vereinigten Staaten erwartet.
Nachfolge von Guterres: Entscheidung bis Jahresende
Der amtierende UN-Generalsekretär António Guterres wird sein Amt am 31. Dezember 2026 niederlegen. Der Portugiese steht seit 2017 an der Spitze der Vereinten Nationen. Sein Nachfolger soll das Amt am 1. Januar 2027 antreten.
Das Ernennungsverfahren sieht vor, dass zunächst der UN-Sicherheitsrat einen Kandidaten empfiehlt. Anschließend muss die UN-Generalversammlung die Ernennung bestätigen.
Dabei kommt den fünf ständigen Mitgliedern des Sicherheitsrates – den USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich – eine entscheidende Rolle zu. Jeder dieser Staaten kann eine Kandidatur durch sein Vetorecht blockieren.
Sieben Kandidaten im Rennen – bislang keine Einigung
Wie die Nachrichtenagenturen Associated Press (AP) und Reuters am 17. Oktober berichteten, konnte sich bislang keiner der sieben Kandidaten für die Nachfolge von Guterres die Unterstützung sämtlicher fünf Vetomächte sichern.
Zu den drei aussichtsreichsten Bewerbern zählen die Costa-Ricanerin Rebeca Grynspan, die an der Spitze der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) steht, der argentinische Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO), Rafael Grossi, sowie die UN-Botschafterin Guyanas, Carolyn Rodrigues-Birkett.
Nach Angaben von AP stößt jeder der drei führenden Kandidaten derzeit auf den Widerstand von jeweils zwei ständigen Mitgliedern des Sicherheitsrates.
Sollten sich die Vereinigten Staaten, Russland und China tatsächlich auf Orbán als gemeinsamen Kandidaten verständigen, könnte dies die Ausgangslage im Rennen um die Führung der Vereinten Nationen erheblich verändern.
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