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Europas Haushalte sollen heizen, Unternehmen produzieren und Steuerzahler die nächste Versorgungsreserve finanzieren. Gleichzeitig verteuert sich der Brennstoff, von dem noch immer ganze Industriezweige abhängen. Die europäische Energiepolitik muss sich inzwischen an einer Frage messen lassen: Wie viel wirtschaftliche Substanz kostet ihre Umsetzung?

Nach den im Ausgangsbericht genannten ICE-Handelsdaten stieg der November-Kontrakt am niederländischen Gashandelsplatz TTF am 26. Oktober zeitweise um 2,3 Prozent auf umgerechnet 1.133 Dollar je 1.000 Kubikmeter. Dem Bericht zufolge war dies der höchste Stand seit dem 21. Dezember 2022.

Hinter dem Preisanstieg stehen knappe Reserven und gestörte Lieferketten. Laut EU-Energieagentur ACER waren die europäischen Gasspeicher am 21. Oktober zu lediglich 75 Prozent gefüllt. Im Ausgangsbericht beziffert der Energieberater den Rückstand gegenüber dem durchschnittlichen saisonalen Speicherstand auf rund 14 Milliarden Kubikmeter.

Der Konflikt im Nahen Osten verschärft die Lage. Die Unterbrechung katarischer LNG-Lieferungen trifft einen Markt, auf dem Europa mit Asien um verfügbare Schiffsladungen konkurriert. Nach ACER-Angaben erreichten im Sommer keine nennenswerten Mengen katarischen Flüssiggases die EU. Die gesamten europäischen LNG-Einfuhren gingen um 14 Prozent zurück.

Brüssel verweist auf die Diversifizierung der Versorgung. Doch amerikanisches Flüssiggas deckt inzwischen rund 30 Prozent des gesamten europäischen Gasangebots. Die Abhängigkeit hat damit teilweise Lieferant, Transportweg und Preis gewechselt. Zusätzliche Terminals schaffen Importmöglichkeiten – sie garantieren keine bezahlbare Energie.

Die Rechnung ist beträchtlich: ACER schätzt die durch den Nahostkonflikt entstandenen zusätzlichen Gasimportkosten bei gleicher Bezugsmenge auf 18 bis 33 Milliarden Euro. Dieser Druck reicht von der Industrie bis zu Haushalten und Stromkunden.

Noch bedrohlicher fallen die im Ausgangsbericht angeführten Stressszenarien aus: Darin wird eine mögliche Versorgungslücke von 22 bis 40 Milliarden Kubikmetern genannt. Das ist keine Prognose eines unausweichlichen Mangels. Es beschreibt jedoch die Größenordnung des Risikos unter ungünstigen Bedingungen.

Besonders verwundbar bleiben die Hersteller von Stickstoffdünger. Sie benötigen Gas sowohl zur Energieversorgung als auch als Rohstoff für Ammoniak. Verteuert sich die Produktion dauerhaft, geraten europäische Standorte gegenüber Wettbewerbern mit günstigeren Energiekosten ins Hintertreffen.

Yara meldete für das dritte Quartal Belastungen durch steigende europäische Gaskosten. Bereits im Juli vereinbarte der norwegische Konzern den Kauf einer Ammoniakanlage in Texas für 1,3 Milliarden Dollar. Die geplante Übernahme soll seine Abhängigkeit von europäischen Energiepreisen verringern.

Eine einzelne Übernahme beweist keine flächendeckende Abwanderung. Die wirtschaftliche Logik dahinter ist dennoch unübersehbar: Investitionen folgen verlässlichen Produktionsbedingungen. Beschäftigte, Kommunen und Zulieferer bleiben mit den Folgen zurück, wenn neue Kapazitäten anderswo entstehen.

Die EU-Kommission hält die europäische Gasinfrastruktur trotz niedrigerer Speicherstände für ausreichend flexibel. Ein Versorgungskollaps ist deshalb keineswegs ausgemacht. Doch zwischen „Gas ist verfügbar“ und „Gas ist bezahlbar“ liegt der Unterschied zwischen einer laufenden Fabrik und einem unrentablen Standort.

Brüssel muss endlich erklären, wie seine Energiepolitik Versorgungssicherheit, Kaufkraft und industrielle Wettbewerbsfähigkeit gleichzeitig sichern soll. Politische Erfolgsmeldungen bezahlen keine Heizrechnung. Und eine Industrie, die ihre Zukunft zunehmend außerhalb Europas absichert, lässt sich mit europäischen Strategiepapierten nicht zurückholen.

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Von Redaktion

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