Alex Krainer, Analyst, Autor und Gründer von Krainer Analytics zu Gast bei Dialogue Works, moderiert von Nima Alkhorshid, beleuchtet die Bildung neuer Bündnis-Strukturen nach der strategischen Niederlage der USA.
Alex Krainer: “The USA erlitten eine strategische Niederlage,
doch möchten sich das nicht eingestehen!” – Teil 1
Nima: Hallo, alle zusammen. Heute ist Donnerstag, der 13. August 2026, und wir begrüßen unseren lieben Freund und Bruder Alex Krainer…
Alex, lassen Sie mich zunächst einmal, auf die Ereignisse in Westasien [Nahost] und auf die Lage zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten eingehen. Wie der US-Botschafter in Israel, Mike Huckabee, offenbar meint, soll Donald Trump beschlossen haben, den Iran nicht zu mehr bombardieren, sondern auf diesen Druck auszuüben, um den Iran in den Bankrott treiben zu lassen. Es wäre derzeit das US-Hauptziel über eine Blockade wirtschaftlichen Druck auf den Iran ausüben zu lassen:
Doch, die Iraner verfolgen ihrerseits eine ähnliche Strategie!
Die Iraner glauben, Donald Trump aussitzen zu können. Das ist der Stand der Dinge auf beiden Seiten. Wir wissen nicht, ob es an diesem Wochenende zu einem Angriff kommen würde. Vielleicht werden sie etwas unternehmen. Auch die Invasion der Insel Kharg steht meiner Meinung nach in Washington immer noch zur Debatte. Sie ziehen diese als eine der letzten Möglichkeiten in Betracht, um über eine Invasion ggfs. Druck auf den Iran zu machen. Wie erfolgreich das sein würde, scheint fraglich.
Dazu kommt eine neue Sicherheits-Architektur mit einem neuen Militärpakt, bestehend aus Pakistan, Türkei und Saudi-Arabien, in der Region. Wie schätzen Sie diese Entwicklung ein?
Alexander Krainer: Nun, ich denke – kurz gesagt – haben die Vereinigten Staaten in der Region eine strategische Niederlage erlitten, doch möchten sich das nicht eingestehen. Wir erleben einen Vorgang, wie die Neu-Anordnung von Liegestühlen auf der „Titanic“, damit die Musik weiterspielen könne, bis das Schiff endgültig unterginge.
Eine Invasion der Insel Charg wäre noch dümmer, als diesen Krieg überhaupt erst begonnen zu haben. Ich kann zwar hören, dass die US-Truppen in der Region vermeintlich alle voller Kampfeslust wären und es kaum erwarten können, ihr Leben für Israel im Krieg zu lassen. Die Moral scheint Berichten zufolge vermeintlich sehr hoch zu sein – abgesehen davon, dass Soldaten davon abgehalten werden müssen, über Bord zu springen, um nicht Selbstmord zu begehen. Davon abgesehen, scheint alles großartig zu laufen.
Ich empfinde ein solch seltsames Verhalten als fortdauernde Verdrängung, so als wollte man die Insel Charg einnehmen oder die Energieinfrastruktur zerstören lassen, um den Iran in den Bankrott zu treiben:
Doch man verfügt nicht einmal über die Fähigkeiten, um so etwas ausführen lassen zu können!
Man hat bereits verloren. Vielmehr hätte zu gelten:
- damit aufzuhören nur „(Titanic-)Liegestühle“ umgruppieren zu lassen!
- die (strategische) Niederlage zu akzeptieren!
- den Kurs der verfehlten US-Politik zu korrigieren!
Natürlich wird nichts davon passieren! Aber ein vernünftiger Mensch müsste zu diesem Schluss kommen, nur dass es sich in diesem Fall um so etwas wie den „Ruin des Spielers“ handeln dürfte: Man meint damit einen Spieler, der bereits sein Spielkapital verloren hat, doch den inneren Drang verspürt weiterzuspielen, um vielleicht doch noch einen Teil seines verlorenen Vermögens wenigstens zurückgewinnen zu können.
Denn die US-Niederlage an dieser Stelle einzugestehen, wäre verheerend – nicht unmittelbar für das amerikanische Volk, …
… doch für das gesamte herrschende [westliche] Establishment!
Denn ein Teil der Bedeutung Westasiens liegt darin, dass es sich um eine reiche Region an Ressourcen, die seit über einem Jahrhundert größtenteils von westlichen Finanzinteressen unterjocht worden war, handelt. Dort wurden sehr bedeutende Investitionen, die einen sehr bedeutenden Cashflow generieren, getätigt. Dieser ist jedoch stets nur zu den westlichen Finanzzentren abgeflossen: Denn alle hatten ihre Exporte in US-Dollar zu fakturieren, um all diese Dollar nur dem Westen zu überlassen:
Das also hat das westliche Finanz- und Bankensystem getragen. Ein großer Teil davon ist zur Finanzierung des Budgets der US-Regierung abgeflossen. Das droht nun zu Ende zu gehen!
Sie haben nach diesem neuen Militärpakt gefragt. Ich weiß nicht, ob man ihn nicht besser als Allianz bzw. vielleicht besser noch als einen Militärkooperationspakt zwischen der Türkei, Saudi-Arabien und Pakistan bezeichnen sollte. Mein erster Eindruck war, das dieser Zusammenschluss einen seltsamen Pakt darstellt, denn da haben zwei ansehnliche Militärmächte und ein [militärischer] Winzling zueinander gefunden!
Warum sollten die Türkei und Pakistan einen Militärpakt mit Saudi-Arabien eingehen? Es ist ja nicht so, dass Saudi-Arabien ihnen zu Hilfe kommen könnte, falls Indien in Pakistan einmarschierte oder Griechenland gegen die Türkei in den Krieg zöge. Ich meine jedoch, dass die Saudis zweifelsohne erkannten, dass das Schutzgeld, welches sie in Höhe von Hunderten von Milliarden Dollar an die Vereinigten Staaten abgeführt haben, nicht mehr funktioniert hat:
Die Vereinigten Staaten konnten sie nicht mehr schützen!
Gleichzeitig halten sie – auch über ihren Staatsfond – extrem hohe US-Dollar-Guthaben bei westlichen Finanzinstituten hinterlegt. Sie haben diese Mittel nun anderweitig einzusetzen, nachdem sie einen effektiven Schutz benötigen. Sie brauchen andere Militärmächte, die ihnen eine solchen Schutz bieten können. So denke ich, dass dies wahrscheinlich auf Initiative Saudi-Arabiens zustande kam.
Ich meine, dass die Türkei und Pakistan ein finanzielles Interesse mit diesem Pakt verknüpfen. Allein die Tatsache, dass sie die Verhandlungen zu dieser militärischen Vereinbarung ohne Beteiligung der Vereinigten Staaten, durchsetzen konnten und die Vereinigten Staaten dazu nichts haben verlauten lassen, deutet darauf hin, …
… dass die USA sich furchtbar blamiert haben und auch keine Antwort darauf fanden!
Es setzte ein sehr deutliches Signal, wonach die USA an Glaubwürdigkeit und Einfluss in der Region eingebüßt haben. Es bedeutet zugleich, dass dies ein gewaltiger Schritt in Richtung eines letztendlichen Rückzugs der Amerikaner aus der Region ist!
Tags darauf habe ich erste Kommentare von Analysten dazu erfahren. Sie gingen in die Richtung: „Da haben wir es wieder: All diese Kräfte raffen sich auf, um die Interessen der USA und Israels in der Region zu wahren!“ Denn zumindest formal sind Pakistan, Türkei wie auch Saudi-Arabien immer noch Verbündete der Vereinigten Staaten.
Aber ich glaube nicht, dass das noch der Realität entspricht. Ich denke, dass alle drei Nationen dieselbe gemeinsame Bedrohung gegen ihre nationale Sicherheit wahrnehmen und die heißt: Israel!
Israel hat Pakistan bereits seit den 1980er Jahren aktiv und wiederholt untergraben. Es gab sogar gemeinsame Operationen mit Indien, um zu versuchen, Pakistans Atomprogramm zu verhindern: Israel brachte seine Kampfflugzeuge nach Indien, um von dort aus zu starten. Aber der pakistanische ISI [Inter-Services Intelligence: Der zentrale Nachrichtendienst der Islamischen Republik] erhielt Informationen darüber und sprach daraufhin Drohungen gegen Israel und Indien aus. Indien missfiel die Aussicht auf einen totalen Krieg gegen Pakistan und hat sich aus dieser Operation wieder zurückgezogen. Daraufhin hatte auch Israel sein Vorhaben aufgegeben, da es keine Möglichkeit mehr sah, ohne Indien als seinen „Flugzeugträger“, Kampfflugzeuge gegen Pakistan starten zu lassen.
[Anmerkungen der Redaktion: Der geplante Präventivschlag gegen Pakistans Nuklearanlage ist in historischen und nachrichtendienstlichen Kreisen gemeinhin als Operation Kahuta bekannt:
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- Nach dem Vorbild des erfolgreichen israelischen Luftangriffs von 1981 auf den irakischen Osirak-Kernreaktor (Operation Opera) sah der Plan vor, Pakistans wichtigste Urananreicherungsanlage in Kahuta mit Kampfflugzeugen vollständig zerstören zu lassen:
- Die Strategie sah eine enge Koordination zwischen Indien und Israel vor. Der logistische Plan basierte darauf, dass israelische F-16-Jagdbomber direkt von Stützpunkten der indischen Luftwaffe, wie beispielsweise Udhampur, aus starten sollten.
- Die Operation erreichte Anfang 1984 unter Premierministerin Indira Gandhi ein fortgeschrittenes Stadium. Sie wurde jedoch aufgrund der Intervention der US-amerikanischen Central Intelligence Agency (CIA), die Pakistan einen Hinweis gab, abgebrochen. In der Folge befestigte Pakistan sein Testgelände massiv und drohte mit einem verheerenden Vergeltungsschlag gegen das indische Bhabha-Atomforschungszentrum in der Nähe von Mumbai.
- Mitte bis Ende der 1980er Jahre schürte eine separate groß angelegte indische Militärübung namens Operation Brassacks in Pakistan ebenfalls große Befürchtungen, um Indien einen Vorwand zu liefern und um einen Überraschungsangriff auf Kahuta ausführen zu lassen. Anmerkungen Ende]
Dann versuchten sie es, Ende der 1990 Jahre – im Jahr 1998 – noch einmal. Sie versuchten es immer wieder, doch der pakistanische Geheimdienst (ISI) bekam Wind von den Vorgängen und machte dies dann in den Vereinigten Staaten über große Sender öffentlich bekannt, was das ganze Vorhaben wieder zunichtemachte.
Doch vor nur knapp einem Jahr sagten israelische Regierungsvertreter immer noch: „Wenn wir mit dem Iran fertig sind, ist Pakistan als Nächstes dran! Wir können keine muslimische Nation mit einem Atomprogramm dulden:
Das muss zerstört werden!“
[Anmerkungen der Redaktion: Die eigentliche Testreihe zur Entwicklung einer eigenen indischen A-Bombe wurde von Indien unter dem Codenamen Operation Shakti durchgeführt. Dies zog seitens Pakistan scharfe Gegenmaßnahmen und auch militärische Mobilisierungen nach sich, wie insbesondere:
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- Chagai-I als Pakistans direkte Reaktion. Pakistan führte diesbezüglich keinen militärischen Angriff auf Indiens Testgelände durch, sondern startete stattdessen als Gegenreaktion seine eigenen Atomtests. Die am 28. Mai 1998 in den Ras-Koh-Hügeln durchgeführte pakistanische Atomtests trugen den Codenamen Chagai-I.
- In den spannungsgeladenen Tagen zwischen den indischen Tests am 11. Mai 1998 und den pakistanischen Gegentests am 28. Mai 1998 befürchtete der pakistanische Geheimdienst (ISI), dass Indien und Israel einen gemeinsamen präventiven Luftschlag gegen Pakistans Atomtestgelände durchführen könnten, bevor dort eine Atom-Bombe gezündet worden wäre. Um dieser vermeintlichen Bedrohung entgegenzuwirken, leitete Pakistan eine massive Notfallmobilisierung seiner Luftstreitkräfte ein und versetzte seine F-16-Kampfflugzeuge in höchste Alarmbereitschaft, um seinen Anlagen darüber einen besonderen Schutz zu verschaffen. Anmerkungen Ende]
Die Türkei hat ihre eigenen Probleme mit Israel. Auch wenn die Erdogan-Regierung viel darüber redet, kooperiert sie tatsächlich mit Israel und beliefert es mit Treibstoff und Gott weiß was noch alles.
[Anmerkung der Redaktion: Offiziell hat die Türkei alle Handelsbeziehungen und Exporte nach Israel gestoppt. Dennoch fließt weiterhin Rohöl aus Aserbaidschan über die Baku-Tiflis-Ceyhan-Pipeline durch die Türkei und wird vom türkischen Hafen Ceyhan aus per Schiff nach Israel transportiert, woran staatlich beteiligte Unternehmen mitpartizipieren.]
Aber israelische Vertreter – vielleicht nicht aus der Regierung selbst, sondern dieser nur nahe stehend – ließen verlauten, dass die Türkei zum neuen Iran und nächsten größten Bedrohung werde. Naftali Bennett [israelischer Parteivorsitzender von „Bejachad“ (Zusammen)] sagte, dass man sich auf einen Krieg gegen die Türkei vorbereite. Es gibt ein Gebiet – nämlich Syrien – worauf beide Länder territoriale Ansprüche haben. Außerdem wird ein großer Teil Saudi-Arabiens als Teil des „Groß-Israel-Projekts“ betrachtet. Dazu zählt auch ein Teil des türkischen Staatsgebiets:
Alle drei Nationen [Pakistan – Saudi – Türkei] sehen dieselbe gemeinsame Bedrohung, die Israel heißt!
Die Vorstellung, dass sie ein Militärbündnis gründen würden, um Israel zu schützen, hält somit keiner logischen Betrachtung stand! Was den Iran betrifft, so glaube ich, – das wäre zum jetzigen Zeitpunkt zu heikel und kompliziert – dass dieser Teil dieses Abkommens wäre. Ich bin überzeugt, dass alle drei – Türkei, Pakistan und Saudi-Arabien – zu einer konstruktiven Einigung mit dem Iran gelangen könnten. Es besteht keine Notwendigkeit, ein Bündnis für einen zukünftigen Krieg gegen den Iran zu schmieden. Ich glaube, dass eine solche Befürchtung nicht besteht und auch von niemanden ins Auge gefasst würde. Ich denke, es handelt sich um ein Bündnis, …
… das den Hinauswurf der Vereinigten Staaten und des Vereinigten Königreichs aus Westasien vorwegnimmt!
Vielleicht ist es auch der Beginn einer neuen Sicherheitsarchitektur in der Region, die mit dem vereinbar wäre, was Russland und China mit dem Iran zu erreichen versuchen. Es lässt sich nicht leugnen, dass der 800-Pfund-Gorilla in der Region der Iran ist und dass sich jeder damit abzufinden hätte: Auch Pakistan und die Türkei. Ich bin mir sicher, dass es kein Problem darstellen sollte, sich darauf zu einigen, um im Grunde genommen zum ersten Mal seit dem Eingreifen der Briten in dieser Region wieder Frieden zu schaffen.
Nima: Ich halte den Punkt, den Sie in Bezug auf Saudi-Arabien angesprochen haben, für sehr wichtig, denn Saudi-Arabien ist meiner Meinung nach in einer verzweifelten Lage. Das Land muss seine Beziehungen zum Iran verbessern. Das wird jedoch nicht gehen, bevor der Konflikt mit den Jemeniten beendet wäre. In der jüngsten Erklärung des iranischen Nationalen Sicherheitsrates wird im ersten Absatz des MoU [Memorandum of Understanding/Absichtserklärung] der Libanon mit allen anderen Fronten erwähnt. Doch gerade jetzt stellt sich die Frage: Was ist mit diesen anderen „Fronten“ gemeint? Diese betreffen, insbesondere:
- Palästina
- den Libanon
- den Irak
- den Jemen
Der Zeitfaktor trägt nicht dazu bei, die ganze Angelegenheit zu verkomplizieren. Ich gehe davon aus, dass Donald Trump nach der Unterzeichnung der Absichtserklärung [MoU] eine gewisse Chance gehabt hätte, die Spannungen abzubauen. Doch gerade jetzt, je mehr Zeit vergeht, legt der Iran noch einen drauf. Ich sehe keinerlei Anzeichen seitens der iranischen Regierung, dass sie nachgeben wollten – sie marschieren einfach weiter.
Vor diesem Hintergrund spielt Saudi-Arabien eine entscheidende und wichtige Rolle. Denn das Land steht mit der Belagerung des Jemen im Zentrum dieses Problems. Falls sie nachgeben würden, um mit den Jemeniten und den Irakern in Kontakt zu treten, würde das eine enorme Veränderung nach sich ziehen. Ich sehe, dass die Rolle der Türkei und Pakistans sich angleichen und dass diese beiden Länder Saudi-Arabien stärker beeinflussen, als umgekehrt.
Alexander Krainer: Ja, ich denke, Sie haben damit sehr Recht, Nima! Ich werde hier ein wenig spekulieren, aber ich glaube, dass dieser Pakt (Türkei – Saudi – Pakistan) auch eine finanzielle Dimension umfasst. Wie ich bereits sagte, haben die Saudis im Westen sehr viel Geld angelegt:
Vielleicht sind es sogar über eine Billion Dollar!
Ich habe das tatsächlich nachgeprüft und dabei alle Golfstaaten zusammen in Betracht gezogen. Ich denke also, dass der größte Teil auf die VAE [Vereinigte Arabische Emirate] entfällt, aber Saudi-Arabien gleich direkt dahinter liegt. Insgesamt beläuft sich der Betrag auf nahezu zwei Billionen Dollar, wenn man die Handelsbilanzen und die Staatsfonds zusammenzählt. Der Westen hätte kein Problem, diese Vermögenswerte einfrieren zu lassen, falls er zu dem Schluss käme, dass sich der saudische König falsch verhalten hätte. Dann verlöre dieser seinen Zugriff auf sein eigenes Geld.
Die Unterzeichnung eines Verteidigungsabkommens mit zwei Ländern, die früher Freunde und Verbündete der Vereinigten Staaten waren, bedeutet, dass Saudi-Arabien für diesen Schutz wahrscheinlich etwas zu bezahlen haben wird! Diese Vereinbarung könnte somit auch einen finanziellen Aspekt beinhalten. Es würde bedeuten, dass die Saudis einen Großteil dieser Milliarden [die sich derzeit noch im Westen befinden] in die Türkei und nach Pakistan transferieren könnten. Ich möchte die Möglichkeit nicht ausschließen, dass sie eine Vereinbarung treffen, bei der die Türkei und Pakistan einen Teil dieser Gelder sogar für sie verwahren könnten:
Nehmen wir an, die Kosten für den Schutz belaufen sich auf eine Milliarde Dollar pro Monat. Doch die Saudis würden ihnen drei Milliarden zahlen, um zwei Milliarden über die Pakistaner zurück zu sich zu waschen. Denn wenn Saudi-Arabien heute zu Scott Bessent [US Treasury Secretary] sagen würde: „Wir trauen euch nicht ganz zu, unser Vermögen zu verwahren. Würdet ihr bitte so freundlich sein, um dieses Geld an uns oder an Pakistan oder an die Türkei oder an China zurücküberweisen zu lassen!“ Darauf dürfte Bessent nur sagen: „Wie wäre es, wenn wir Ihnen stattdessen ein paar F-16, F-35, Sojabohnen oder was auch sonst immer anbieten könnten!“ Die USA werden ihnen das Geld nicht zurückreichen!
Das wäre also vielleicht eine Möglichkeit, um einen Teil dieses Geldes wieder an sich selbst zurückwaschen zu lassen. Ich denke, dass Pakistan, die Türkei und Saudi-Arabien dieses gemeinsame Interesse verbindet. Gleichzeitig können die Vereinigten Staaten vielleicht weder zu Pakistan noch zur Türkei „Nein“ sagen, da es sich um sehr glaubwürdige Militärmächte handelt, die früher noch Freunde und Verbündete der USA waren. Ich glaube, die Vereinigten Staaten brauchten in dieser Region keine weiteren Feinde mehr, sodass sie kooperieren müssen.
Was die feindselige Haltung Saudi-Arabiens gegenüber dem Jemen und in geringerem Maße gegenüber dem Iran angeht, so stellt das meiner Meinung nach ein geringeres Problem, das lösbar scheint, dar. Ich denke, im Moment ist es kompliziert, weil die Vereinigten Staaten immer noch Einfluss auf saudisches Geld ausüben. Sie haben immer noch Truppen in Saudi-Arabien. Sie haben immer noch ihre Flugzeugträger-Einsatzgruppen in dieser Region. Saudi-Arabien steckt also in Bezug auf die USA immer noch ein wenig in der Zwickmühle. Sie können also nicht einfach sagen, „Okay, Wir sind fertig mit Ihnen: Verlasst unser Land – räumen Sie ihre Stützpunkte – geben Sie uns unser Geld zurück“, denn das würde nicht klappen!
Sie haben hingegen das Problem schrittweise anzugehen. Ich gehe davon aus, falls die Bedingungen reif wären, sodass sich Saudi-Arabien aus dem amerikanischen Schutzgeschäft lösen könnte, ein Frieden zwischen Saudi-Arabien und dem Jemen, beispielsweise durch die Iraner, relativ leicht vermittelbar wäre. Ich denke, dass die Saudis und die Iraner, auch wenn sie in diesem aktuellen Krieg gewissermaßen auf entgegengesetzten Seiten der Konfliktlinie stehen, beide ein Interesse daran haben, die Situation untereinander nicht eskalieren zu lassen. Der Iran braucht Saudi-Arabien nicht als Feind und Saudi-Arabien möchte den Iran ganz sicher auch nicht gegen sich haben. Daher glaube ich, dass die Saudis vorerst so tun müssten, als wären sie vorläufig noch ein treuer Verbündeter der Vereinigten Staaten.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass es hinter den Kulissen Kontakte zwischen den Saudis und den Iranern geben könnte, die wesentlich freundlicher und konstruktiver ausfallen. Sie dürften gewissermaßen abwarten, bis die Bedingungen reif wären, damit sie vollständig Frieden schließen, um dann auch mit den Jemeniten – mit Ansar Allah – einen Frieden vereinbaren zu können. [Anmerkung der Redaktion: Ansar Allah (Helfer Gottes) ist der offizielle Name der Huthi-Bewegung, einer politisch-militärischen Organisation aus dem Jemen] Natürlich spreche ich hier nicht vom Südlichen Übergangsrat.
[Anmerkung der Redaktion: Der Südliche Übergangsrat (STC) war eine jemenitische separatistische politische und paramilitärische Organisation, die 2017 gegründet wurde und bis Januar 2026 Gebiete im Süden des Jemen kontrollierte. Als Fraktion der Südbewegung gegründet, forderte sie die Abspaltung eines geplanten föderalen „Staates Südarabien“ vom Rest der Nation entlang der Grenzen des ehemaligen Süd-Jemen, wobei der Name von der von den Briten geschaffenen Föderation Südarabiens inspiriert war. Die Organisation wurde von den Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützt.]
Fortsetzung mit Teil 2 folgt
Übersetzung: UNSER-MITTELEUROPA
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Das Video auf English mit dem Interview von Alex Krainer durch Nima Alkhorshid. HIER

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