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Bild: Getty Images

Eine Schlagzeile aus jüngster Zeit klingt ja beinahe spektakulär, „Kommt bald die erste Impfung gegen Hautkrebs?“ Die Mainstream-Medien berichten dabei über vielversprechende Studiendaten eines personalisierten mRNA-Produkts von Moderna, das bei Patienten mit schwarzem Hautkrebs das Rückfallrisiko deutlich senken soll.

Erneut keine Impfung im klassischen Sinn

Doch hinter der Erfolgsmeldung verbirgt sich eine brisante Frage, die kaum, und schon gar nicht vom Mainstream, gestellt wird, handelt es sich überhaupt um eine Impfung im klassischen Sinn?

Jahrzehntelang war die Bedeutung des Begriffs „Impfung“ eindeutig. Eine Impfung sollte eine Krankheit verhindern, bevor sie entsteht. Masern, Polio oder Tetanus sind typische Beispiele, wie auch uncutnews berichtet hatte.

Die neue Moderna-Variante funktioniert jedoch „wie gehabt“ anders. Die Patienten erhalten die Behandlung erst, nachdem bei ihnen bereits Krebs diagnostiziert und auch der Tumor entfernt wurde. Ziel ist nicht die Vorbeugung einer Erkrankung, sondern vielmehr die Verhinderung eines Rückfalls. Damit bewegt sich die Technologie in einem Bereich, den die Pharmaindustrie seit Jahren als „therapeutische Impfstoffe“ „verkauft“.

Trotzdem Modernas neue modRNA gegen Hautkrebs nicht vorbeugend verabreicht wird, sondern erst nach der Erkrankung, bewirbt sie der Hersteller über Medien und Wikipedia als „Impfstoff”. Das klingt dann immerhin besser als genbasierte Chemotherapie.

Die keineswegs neutrale Sprache

„Impfstoff“ klingt jedenfalls noch immer nach Schutz, Prävention und öffentlicher Gesundheit. Der Begriff genießt in der Bevölkerung, trotz Corona, ein hohes Vertrauen. Bezeichnungen wie „genbasierte Therapie“, „RNA-Behandlung“ oder „personalisierte Immuntherapie“ lösen dagegen immer noch deutlich weniger positive Assoziationen aus.

Genau deshalb hinterfragen nun viele Menschen, ob die Bezeichnung „Impfstoff“ heute nicht zunehmend als Marketinginstrument eingesetzt wird. Was früher klar zwischen Prävention und Therapie unterschieden wurde, verschmilzt nunmehr sprachlich und ganz bewusst zu einer einzigen Kategorie.

Für die Pharmaindustrie eröffnet sich damit zweifelsfrei ein gigantischer Markt.

Wenn RNA-Technologien künftig gegen Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Autoimmunerkrankungen, Allergien oder andere Leiden eingesetzt werden können, entsteht erneut ein völlig neues Geschäftsmodell. Aus einzelnen Impfungen gegen bestimmte Infektionskrankheiten würde eine Plattformtechnologie für zahlreiche medizinische Anwendungen. Der Begriff „Impfstoff“ könnte dabei helfen, diese Produkte gesellschaftlich leichter akzeptabel zu machen.

Die bisher veröffentlichten Daten zum Melanom-Projekt sind zwar durchaus vielversprechend, nichts desto trotz handelt es sich freilich um keinen endgültigen Durchbruch. Die Teilnehmerzahl war nämlich begrenzt, die Behandlung wurde auch in Kombination mit einer bestehenden Krebsimmuntherapie eingesetzt, auch Langzeitdaten fehlen noch.

Studiendaten nicht aussagekräftig

Die Schlagzeile von der „Impfung gegen Hautkrebs“ suggeriert daher mehr Gewissheit, als die aktuelle Studienlage allerdings tatsächlich hergibt.

Die entscheidende Frage lautet nicht, ob neue Therapien entwickelt werden sollten. Fortschritte in der Krebsmedizin sind grundsätzlich zu begrüßen. Die eigentliche Debatte betrifft Transparenz. Sollte eine Therapie, die erst nach Ausbruch einer Krankheit eingesetzt wird, überhaupt als „Impfstoff“ bezeichnet werden?

Oder wird hier bewusst eine „vertraute Sprache“ genutzt, um eine neue Generation genetischer und RNA-basierter Behandlungen unter einem positiv besetzten Begriff zu vermarkten?

Moderna wie auch andere Pharmakonzerne arbeiten an Technologien, die die Medizin verändern könnten und vor allem sollten. Doch parallel dazu verändert sich auch die Sprache. Aus Impfungen gegen Infektionskrankheiten werden also „Impfungen“ gegen Krebs, Allergien und zahlreiche andere Erkrankungen. Ob dies allerdings ein wissenschaftlicher Fortschritt oder ein sprachlicher „Taschenspielertrick“ ist, wird zweifellos die öffentliche Debatte der kommenden Jahre zeigen.

Je mehr Krankheiten künftig als Ziel der sogenannten „Impfstoffen“ definiert werden, desto wichtiger wird die Frage werden, ob die Bevölkerung noch klar zwischen Vorbeugung, Behandlung und Marketing unterscheiden kann.


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Von ELA

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