Seit nunmehr fünf Monaten werden die Bundeswehr-Fragebögen an junge Männer und Frauen versandt. Parallel sollen auch bereits seit Jahren YouTube-Formate die Entscheidung manipulierend vereinfachen.
Karrierehoffnungen werden vergeblich geschürt
Bekanntlich erhalten seit Jahresbeginn alle Volljährigen in Deutschland vom Verteidigungsministerium initiiert einen Bundeswehr-Fragebogen zum Thema der erhofften Karriere bei der Truppe. Ausgehend von den Auswertungen ergaben sich nach 298.200 Briefen dabei jedoch mehr als ernüchternde Realitäten, wie auch anonymousnews berichtet hatte.
Für die neue Wehrerfassung hatte die Bundesregierung über das Verteidigungsministerium seit Januar dieses Jahres rund 300.000 Fragebögen versandt. Die Auswertung belegt nun laut Medienberichten, dass das Pistorius-Ministerium vorerst auf die klassische Rekrutierung zum Zwecke der Truppenstärkung mit neuen Soldaten und Soldatinnen vertrauen wird müssen. So konnten laut ZDF-Auswertung aus den insgesamt 298.200 Schreiben gerade einmal „0,18 Prozent der Angeschriebenen” erfolgreich für die Bundeswehr rekrutiert werden.
Bereits zu Jahresbeginn hatte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius darüber informiert, dass sein Ministerium ab sofort Fragebögen an junge Männer und Frauen verschicken werde, um darüber erhoffte Freiwillige für den Wehrdienst gewinnen zu können. Parallel dazu hatte das BmfV-Social Media-Team in regelmäßig neuen Formaten auf YouTube Jugendliche für die Truppe zu begeistern versucht, so exemplarisch aktuell bewerbend in Berlin.
Ernüchternde Bilanz
Rund fünf Monate nach Beginn der Wehrerfassung aller 18-Jährigen zieht das Verteidigungsministerium nun laut Agenturmeldungen eine mehr als ernüchternde erste Bilanz. Dazu heißt es beim ZDF zum Anliegen des Schreibens, „darin wird ihr Interesse am neuen Freiwilligen Wehrdienst, der mindestens sechs Monate dauert, abgefragt. Männer müssen den dazugehörigen Fragebogen ausfüllen, Frauen dürfen, ohne Verpflichtung. Aus diesem Pool konnten bisher etwa 530 rekrutiert werden, die ihren Wehrdienst in diesem Jahr antreten. Das sind 0,18 Prozent der Angeschriebenen.”
Auf Grundlage der vorliegenden Rücksendungen seien demnach bisher rund 1.500 Musterungen beziehungsweise sogenannte „Assessments” durchgeführt worden, „rund 600 weitere Termine seien vorgesehen.”
Mit 96 Prozent Rückmeldung kamen fast alle männlichen Briefempfänger der Verpflichtung nach. In den übrigen Fällen „werde nun ein Ordnungswidrigkeitsverfahren geprüft.” Bei den Frauen betrug die Antwortquote demnach „lediglich rund vier Prozent”.
Unter den jungen Männern habe laut Agenturmeldung „mehr als jeder Fünfte ein Interesse am Wehrdienst” geäußert. Viele Interessierte seien jedoch auf Grund ihres laufenden Schulbesuchs oder einer begonnenen Ausbildung frühestens erst in ein oder zwei Jahren verfügbar.
Unabhängig von dieser anvisierten Bevölkerungsgruppe würde, wenig überraschend, laut ZDF-Artikel die Truppe nach Angaben des Ministeriums aktuell wachsen. So hätten sich im ersten Halbjahr „insgesamt rund 10.000 Interessenten anderer Altersgruppen zum Freiwilligen Wehrdienst gemeldet”, das wären rund acht Prozent mehr als im Vorjahr. Die Abbruchquote bleibe dabei jedoch konstant hoch, “so beendet im Schnitt jeder Vierte den Wehrdienst vorzeitig.”
Wehrpflicht wird immer wahrscheinlicher
Angesichts dieser Realitäten hält es der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Thomas Röwekamp (CDU), nach Medienanfrage „für verfrüht, eine Wiedereinführung der Wehrpflicht auszuschließen”.
„Die bisher vorliegenden Rückmeldungen aus dem Fragebogen zum neuen Wehrdienst enthalten Licht und Schatten”, erklärte er gegenüber dem SPD-nahen RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Röwekamp zeige sich nichtsdestotrotz erfreut, dass „so viele junge Menschen der Aufforderung zur Beantwortung der Fragen nachgekommen sind.” Enttäuscht sei er über die geringe Rückmeldequote unter jenen, die nicht gesetzlich zur Antwort verpflichtet seien, also den Frauen.
Ziel des neuen Wehrdienstgesetzes ist es, die Zahl der aktiven Bundeswehrsoldaten bis 2035 von derzeit gut 184.000 auf 255.000 bis 270.000 zu erhöhen. Insgesamt liege die Personalgewinnung der Bundeswehr seit Jahresbeginn angeblich „zehn Prozent über dem Vorjahresschnitt”, man erwarte wieder ein „Rekordjahr”, heißt es in einer Mitteilung aus dem BmfV. Dazu würden jedoch nicht nur Soldaten und Soldatinnen zählen, sondern auch IT-Techniker, Ingenieure wie auch andere Berufsgruppen.
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