Im zweiten Teil seiner Abhandlung erläutert Steve Jermy messerscharf, warum die globale Dominanz der Seemächte, welche die zweiten Hälfte des vorigen Jahrtausend prägte, zu ihrem unerbittlichen Ende kommt. Nur die unmittelbar betroffenen Verlierer wollen es noch nicht wahrhaben.
Der Artikel von Steve Jermy auf Deutsch – Teil 2
„Der zerbrochene Mythos militärischer U.S.-Vorherrschaft“
Das Gleichgewicht der Kräfte verstehen – Militärischer Nutzen
- Strukturen der Streikräfte & militärischer NutzenNeben diesen drei grundlegenden Faktoren – Industrielle Kapazitäten, Energie-Verfügbarkeit & Strategisches Denken & Handeln – wird klar, wobei das Gleichgewicht der Kräfte in jedem geopolitischen Kontext und Einsatz stets von Fall zu Fall einzeln zu bewerten ist. Mit anderen Worten: Es gilt zu ermitteln, ob die Qualität der
… den Anforderungen einer Mission in einem bestimmten geopolitischen Kontext gerecht zu werden!
Der Begriff Struktur der Streikräfte wird in Verteidigungskreisen üblicherweise verwendet, um die Art und Weise zu beschreiben, wie die eigenen Streitkräfte konzipiert, aufgebaut und eingesetzt werden. Dazu möchte ich ein bewusst stark vereinfachtes Beispiel zur besseren Veranschaulichung anführen:
Die amerikanischen Streitkräfte sind im Großen und Ganzen für Auslandseinsätze konzipiert und stützen sich auf großen See- und Luftstreitkräften mit vergleichsweise nur kleinen Landstreitkräften ab. Dies ist historisch typisch für Seemächte, deren Seegrenzen die Notwendigkeit einer Verteidigung gegen Angriffe vom Land her in den Hintergrund treten lassen.
- In Russland hingegen bildet die russische Armee das Herzstück der Streitkräfte: Sie sind auf defensive Operationen angelegt und werden von Luftstreitkräften eng integrierend unterstützt, während die Seestreitkräfte darauf angelegt sind, den Seestreitkräften eines Angreifers den Zugang zu russischen Gewässern zu verwehren.
In einem Beitrag vom Mai 2025 habe ich ausgeführt, wie sich dieser Unterschied auf die Nützlichkeit der Streitkräfte eines Nationalstaates auswirkt:
„Der andere wichtige geografische Faktor [bei der Berechnung des Gleichgewichts der Kräfte] ist der maritime oder landgestützte Charakter einer Kampagne. Marinen von Seemächten sind bei Landkampagnen von geringerem Nutzen – umgekehrt gilt dies für Armeen von Landmächten spiegelbildlich. Dies soll keine Schwarz-Weiß Deutung sein, vielmehr eine Nuance, die jedoch zur Beurteilung des Nutzwertes von einer See- oder aber Landmacht Wichtigkeit erlangt.“[5]
In den 15 Monaten seit dem Verfassen dieser Zeilen ist mir jedoch klar geworden, dass diese Unterscheidung akzentuierter und wichtiger, als von mir ursprünglich angenommen, geworden ist. Der Grund dafür ist, dass sich jüngste militärische Entwicklungen in Bezug auf die Fähigkeit einer Großmacht, um militärische Macht über große Entfernungen zu projizieren – in der Militärsprache gemeinhin mit Machtprojektion benannt – inzwischen tiefgreifend verändert haben.
- Seekontrolle und LuftüberlegenheitIm 19. Jahrhundert, sowie im 20. und frühen 21. beruhte die Fähigkeit Großbritanniens und später der USA, um Macht weltweit zu projizieren, auf zwei militärischen Fähigkeiten:
- Erstens: Im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, auf der Fähigkeit Großbritanniens und später der USA, Seekontrolle auszuüben und aufrechtzuerhalten – also auf der Fähigkeit, die Meere selbst frei nutzen zu lassen, doch gleichzeitig potenziellen und tatsächlichen Gegnern deren Nutzung zu verwehren.
- Zweitens: Sobald es einer Großmacht in einem regionalen Feldzug gelungen war, Seeherrschaft und Luftüberlegenheit zu realisieren, hat sie das in die Lage versetzt, Landstreitkräfte zu einem Zeitpunkt und an einem Ort eigener Wahl einsetzen zu lassen, wie Sir Julian Corbett schon im Jahr 1911 deutlich machte:„Da Menschen auf dem Land und nicht auf der See [oder in der Luft] leben, wurden die große Fragen zwischen kriegführenden Nationen im Großen und Ganzen stets dadurch entschieden:was die eigene Armee gegen das Territorium und nationale Leben des Feindes auszurichten vermag! Oder aber durch die Furcht vor Einschränkungen, welche die eigene Marine [und Luftwaffe] der eigenen Armee auferlegen würde.“[7]Erkenntnisse aus den operativen Erfahrungen der Kriege zwischen Russland und Ukraine sowie zwischen USA und Iran deuten darauf hin, dass die Seestreit- und Luftstreitkräfte von USA und NATO nicht mehr in der Lage sind, die Landstreitkräfte in der von Corbett vorgeschlagenen Weise zu unterstützen.
- Operative Erkenntnisse
Um die Ursachen zu verstehen, müssen wir uns eingehender mit den wichtigsten operativen Erkenntnissen befassen sowie die strategischen Konsequenzen in Betracht ziehen:

Die erste wichtige operative Entwicklung, die ich in meinem Beitrag „Principles & Practice of Air Defence“[8] [Prinzipien & Praxis der Luftverteidigung] untersuchte, führte zur Erkenntnis, dass weder USA noch NATO über die benötigten Streitkräftestrukturen bzw. Luftabwehrtechnologien verfügten, um operative Luftangriffe im Zuge eines kombinierten Einsatzes von Drohnen mit konventionellen – und Hyperschallraketen bei Sättigungsangriffen des Gegners abwehren zu können:
- Wir wissen, dass der ukrainische Luftraum von NATO nicht verteidigt werden kann.
- Wir wissen auch, dass die USA nicht in der Lage sind, ihre Verbündeten des Golf-Kooperationsrates (GCC), sowie Israel oder ihre vorgerückten Luftwaffenstützpunkte gegen die strategischen Bombardements des Iran zu verteidigen. Daher hatten die USA inzwischen den Rückzug von Einheiten ihrer Luftwaffe nach Jordanien, Israel und Zypern veranlassen müssen. Die Beweislage ist somit eindeutig:
Die Streitkräfte der USA und der NATO sind nicht mehr in der Lage, Luftüberlegenheit zu projizieren bzw. aufrechtzuerhalten!
Die zweite wichtige operative Entwicklung, die zum großen Teil auf diese neue Unfähigkeit unzureichender Luftüberlegenheit zurückgeführt werden kann, spielt sich auf See ab. Die ersten Anzeichen dafür zeigten sich bereits 2024 und 2025 im Roten Meer, als US- und NATO-Marinen angesichts der strategischen Luftangriffe der Huthis schließlich zum Rückzug gezwungen wurden. Im Krieg zwischen USA und Iran, sind inzwischen insbesondere die Flugzeugträger der US-Marine bzw. die US-Seestreitkräfte im Allgemeinen gezwungen, viel weiter entfernt von der Küste aus zu operieren.
Zusammengefasst hat der Verlust der Fähigkeit, Luftüberlegenheit und Seekontrolle zu projizieren, dreifache Konsequenzen:
- Land-Operationen – Der Einsatz von Landstreitkräften für Operationen auf dem fremden Territorium eines Landes, das über strategische Raketenstreitkräfte verfügt, ist operativ nicht mehr durchführbar, da die Mobilisierungsgebiete der Soldaten nun nicht mehr vor Luftangriffen geschützt werden können.
- Amphibische-Operationen – Ebenso ist der Einsatz und die Nutzung amphibischer Streitkräfte gegen ein solches Land operativ nicht mehr umsetzbar, da amphibische Landeschiffe der Marines auf ihrem Weg zu den Landezonen nicht mehr geschützt werden könnten.
- Feld-Logistik – Aufgrund des Verlusts sicherer Zugänge zu regionalen Stützpunkten und Häfen haben sich die Herausforderungen zur Gewährleistung einer sicheren militärischen Logistik – die für jede militärische Operation von entscheidender Bedeutung ist – um eine logistische Größenordnung erhöht. So ist beispielsweise der einzige Hafen, welcher der US-Marine im Krieg zwischen USA und Iran inzwischen nur noch zur Verfügung steht, Diego Garcia, das jedoch über 2.000 Seemeilen – das bedeutet sechs Tage Seefahrt – von der Straße von Hormus entfernt liegtInsgesamt lässt sich eine ernüchternde operative Schlussfolgerung nicht mehr vermeiden: Im Konfrontationsfall mit einer Groß- oder Mittelmacht, die über strategische Raketenstreitkräfte verfügte, werden Länder mit Militärstrukturen, die nach aktuellen …
… westlichen Vorbildern gestaltet worden sind, weniger– wenn überhaupt – in der Lage sein, Macht weltweit zu projizieren!
Wenn militärische Macht solcher Länder in einem oder mehreren geopolitischen Kontexten, für die sie in Betracht gezogen würde, nicht einsetzbar wäre, dann wäre auch ihr geopolitischer Nutzen militärisch nicht mehr gegeben.
Das Gleichgewicht der Kräfte verstehen – Politische Leidenschaften
Darüber hinaus wird geopolitische Nützlichkeit doppelt fragwürdig, sowie der Einsatz solcher Streitkräfte auch politisch nicht mehr tragbar erscheint. Dies führt uns zum letzten entscheidenden Faktor bei der Bewertung des Gleichgewichts der Kräfte, indem der geopolitische Nutzen militärischer Macht auch politisch bedingt ist.
In Strategy for Action habe ich zwischen dem Gleichgewicht der Kräfte und dem der Leidenschaften unterschieden – wobei unter „Kräften“ „militärische Macht“ und unter „Leidenschaften“ „politische Leidenschaft“ zu verstehen sind. Zwei Fragen definieren, was ich unter dem Gleichgewicht der Leidenschaft verstehe:
- Erstens: Wie sehr liegt dem Volk eines Nationalstaates die politische Mission am Herzen, für die es kämpfen wollte – oder bereits schon kämpft?
- Zweitens: Inwiefern bereiten Charakter und Kultur des Volkes eines Nationalstaates dieses auf Krieg samt zu erbringende Opfer vor?Diese selten vorgenommene Unterscheidung …
… zwischen nationaler Macht und politischer Leidenschaft erklärt weitgehend die Niederlagen in Vietnam und Afghanistan!
Sowohl die schwächeren Vietcong als auch Taliban waren in ihrer Sache weit mehr motiviert als ihre Gegner. Beide waren bereit, einen weitaus höheren Blutzoll in Kauf zu nehmen als westliche Bevölkerung. Beide besiegten zuletzt weitaus stärkere Militärmächte.
Was leitet sich daraus ab?
Nachdem dieser Bezugsrahmen hergestellt ist, kann man ihn nutzen, um die Macht von USA sowie NATO besser einzuschätzen und darüber eine Grundlage für künftige Einschätzungen des Gleichgewichts der Mächte zu erhalten.
- Grundlegende Faktoren: Betrachten wir zunächst die grundlegenden Faktoren:
Die Anzeichen für den schädlichen Verlust industrieller Kapazitäten im Westen ist allen klar!
Dies ist schließlich einer der Gründe, warum die USA versuchen, mithilfe von Zöllen ihre Reindustrialisierung voranzutreiben, auch wenn dieser Weg nicht Jahre, sondern Jahrzehnte dauern dürfte.
Was Energie betrifft, so sind von den NATO-Ländern nur Kanada und Norwegen energieunabhängig. Die USA sind Nettoimporteur von über 6 Millionen Barrel Rohöl pro Tag, und Europa ist vollständig und in prekärer Weise von Kohlenwasserstoffimporten abhängig mit der Notwendigkeit über 10,0 Millionen Barrel Rohöl und raffinierte Ölprodukte pro Tag einführen zu müssen. Schließlich haben die politischen und militärischen Führer von USA und NATO mit vier tatsächlichen Niederlagen und zwei weiteren im Kommen [Ukraine & Iran] unmissverständlich demonstriert, dass …
… USA/NATO , wie die sie stützenden Establishments, in Bezug auf strategisches Denken über keinerlei Kompetenz verfügen!
- Militärische Eignung: Es lässt sich mittlerweile nicht mehr leugnen, dass die Strukturen der US-Streitkräfte militärisch nicht mehr dafür geeignet sind, was seit dem Ende des Kalten Krieges ihre bestimmende Mission darstellte:
Die Machtprojektion zur Unterstützung des globalen Hegemons in einer unipolaren Welt!
Für andere NATO-Staaten scheinen die Ereignisse des Russland-Ukraine-Kriegs eindeutig zu belegen, dass auch ihre Streitkräftestrukturen strategisch und militärisch nicht zweckmäßig sind: Wenn die Verhinderung eines Krieges auf dem europäischen Kontinent auf der Grundlage einer Abschreckungsstrategie durch NATO – wie westliche Staats- und Regierungschefs routinemäßig so gerne betonen – der Hauptzweck von NATO war, dann wird es unbestreitbar, dass NATO versagt hat:
Denn wir haben inzwischen einen Krieg in Europa, der das beunruhigende Potenzial birgt, ganz Europa zu verschlingen!
- Politische Einsatzfähigkeit: Um schließlich ein Gegengewicht zu den politischen Emotionen zu schaffen, kann man ein rhetorisches Gedankenexperiment verwenden, um es auf das Konzept hinter dem NATO-Russland-Krieg und den Krieg zwischen USA und Iran zu beziehen.
Im historischen Kontext sei angemerkt: Während der 20 Jahre langen Einsätze in Afghanistan sträubten sich die Bevölkerungen von NATO-Staaten gegen die Zahlen der im Einsatz Gefallenen (KIA), die sich für die USA auf insgesamt unter 2.000 und für andere NATO-Staaten auf knapp über 100 Gefallene beliefen.
- Wären die Bevölkerungen der NATO-Staaten künftig bereit, die menschlichen Opfer in Höhe von Zehntausenden Gefallenen (KIA) zu ertragen – und zwar bereits in den ersten Monaten, nicht erst nach langen Jahren – eines zukünftigen NATO-Russland-Krieges?
- Oder wären die Bevölkerungen der NATO-Staaten bereit die wirtschaftlich katastrophalen Folgen strategischer Bombardements zu ertragen, wiederum schon in den ersten Monaten, ähnlich wie sie der Iran erlitten hat?
Vielleicht irre ich mich, doch würden wir die westliche Bevölkerung solcherart mit dieser Frage konfrontieren, wäre die Antwort meiner Meinung nach ein klares:
Auf keinen Fall!
Für diejenigen, die sich mit diesem Thema befassen, hoffe ich, dass dies zu einem wichtigen Gegenstand nachhaltiger wissenschaftlicher Analyse mit der Frage werden sollte, warum der Westen in seinen Kriegen des 21. Jahrhunderts durchweg erfolglos geblieben war. Dabei soll dieses Rahmenkonzept zum Gleichgewicht der Macht potenziell einen produktiven Forschungsansatz abgeben.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, wonach das hier entwickelte Konzept des Gleichgewichts der Kräfte eine tektonische Verschiebung im internationalen Kontext offenbart, die sowohl in ihrer Natur als auch in ihren geopolitischen Auswirkungen tiefgreifend ausgefallen ist.
- Für Amerika, eine Supermacht mit einer Streitkräftestruktur, die auf der Annahme beruht, dass die Dominanz ihrer Luft- und Seestreitkräfte es ihr ermöglichen würde, weltweit zu einem Zeitpunkt und an einem Ort ihrer Wahl Macht ausüben zu lassen – ist besagte Ära ihrer militärischen Vorherrschaft nachweislich vorüber.[10]
- Für Europa, das sich in allen drei grundlegenden Faktoren, wie industrieller Kapazität, Energie und strategischem Denkvermögen, schwach zeigt, wird sich wahrscheinlich nie wieder ein substanzielles amerikanisches Engagement in Europa realisieren lassen, während sich an seiner Grenze ein verärgertes Russland befindet, stellt sich die Lage anders dar, doch die Folgen werden ebenso tiefgreifend sein.
Die Erkenntnis dieses tektonischen Wandels ist jedoch nicht allgemein verbreitet. Ungeachtet der anhaltenden Verlautbarungen aus dem Weißen Haus und dem US-Kriegsministeriums zur Unbesiegbarkeit des US-Militärs vermute ich, dass die militärischen Fachleute im Pentagon diesen Wandel zu 99% klar anerkannt haben.
Ich vermute, dass dies auch den militärischen Fachleuten der IDF [Israelischen Verteidigungsstreitkräfte], wie auch den GCC-Staaten klar ist. Diese haben nun alle schwierige und heiklen Entscheidungen zu treffen, wie sie für ihre zukünftige Sicherheit sorgen und wo sie ihre künftigen Gewinne aus dem Verkauf von Kohlenwasserstoffen einsetzen sollten. Nicht zuletzt vermute ich, dass dies vielen, wenn nicht sogar den meisten Menschen im Rest der Welt, die nicht durch westliche politische Narrative beeinflusst worden wären, ebenso klar wurde.
Leider scheint diese Erkenntnis bei wichtigen Akteuren im Westen jedoch nach wie vor nicht angekommen zu sein:
- Neokonservative – innerhalb und außerhalb des Beltway – scheinen nach wie vor entschlossen, eine Politik der Konfrontation mit China und Russland zu suchen und Regimewechsel durchführen zu wollen, wo es ihnen gerade in den Sinn kommt.
[Anmerkung der Redaktion: Der Begriff “Beltway” wird im US-Sprachgebrauch als Metapher für das politische Establishment, Regierungsstellen und Lobbyisten in Washington, D.C. bezogen. Der Begriff beschreibt Themen oder Sichtweisen, die für die politische US-Führungsschicht relevant scheinen.]
- Israelische Politiker scheinen immer noch zu glauben, dass ihr Projekt „Groß-Israel“ intakt sei.
- Europäische Führungskräfte – sowohl politische als auch militärische – scheinen nach wie vor zu glauben, dass Russland zu Europäern genehmen Bedingungen an den Verhandlungstisch gezwungen werden könnte, falls es gelänge, die USA wieder in den NATO-Russland-Konflikt hineinzuziehen.
Die implizite Klammer, die diese unterschiedlichen Akteure verbunden hat, war die Annahme, dass man gewinnen würde, sofern man das US-Militär auf seiner Seite hätte. Diese Annahme verbindet sie nach wie vor. Betrachtet man die Situation jedoch durch die logische Linse einer rigorosen Einschätzung des Gleichgewichts der Mächte, lassen sich die tektonischen Realitäten nicht ignorieren.
Es ist daher ganz an der Zeit, diesen veränderten strategischen Kontext und die neuen geopolitischen Realitäten vor Ort zu akzeptieren:
- Die europäische Nationalstaaten der NATO hätten anzuerkennen und zu akzeptieren, dass NATO selbst in dem äußerst unwahrscheinlichen Fall, dass die USA wieder in den NATO-Russland-Krieg hineingezogen werden könnten, dennoch verlieren würde.
- Israelische Politiker hätten anzuerkennen und zu akzeptieren, dass sie ohne die Unbesiegbarkeit der USA einen Plan B benötigten, der auf etwas anderem als Krieg aufzubauen hätte.
- Die US-Politiker hätten anzuerkennen und zu akzeptieren, dass es mittlerweile unmöglich sei, eine auch nur annähernd plausible politisch-militärische Strategie zu konzipieren, um den Krieg zwischen USA und Iran entscheidend gewinnen zu können.
Im Jahr 1965 schrieb General André Beaufre:
„Im Krieg verdient der Verlierer verloren zu haben, denn seine Niederlage muss auf Denkfehler entweder vor oder während des Feldzugs zurückzuführen sein“.[11]
Dem stimme ich zu und die Geschichte tut das ebenfalls!
Bei der Erwägung des Einsatzes militärischer Gewalt ist ein entscheidendes Element dieses Ansatzes die Fähigkeit, das Kräftegleichgewicht rigoros abzuschätzen:
- Mit kompetentem strategischen Denken und einer rigorosen Abschätzung des Kräftegleichgewichts wäre wahrscheinlich jeder einzelne der Kriege des Westens im 21. Jahrhundert von vornherein zu vermeiden gewesen.
- Mit kompetentem strategischem Denken und einer rigorosen Berechnung des Kräfteverhältnisses könnte der Westen inzwischen die nur allzu realen politischen und militärischen Grenzen der Macht der USA und der NATO besser verstehen und akzeptieren.
- Mit kompetentem strategischem Denken könnten sich alle darauf einigen, den Schwerpunkt vom Krieg auf den Dialog zu verlagern und die geduldige, harte Arbeit zu beginnen, um den Krieg zwischen Russland und Ukraine sowie den Krieg zwischen USA und Iran zu einem humaneren, weniger physisch zerstörerischen und wirtschaftlich weniger katastrophalen Ende zu bringen.
Ende der Serie
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Quellenangaben zum Teil 2
[5] https://natowatch.org/default/2025/balance-power-russo-ukraine-war
[6] Um es klar zu sagen: Wenn ich von Luftüberlegenheit spreche, beschränke ich diesen Begriff nicht auf die Fähigkeit, eigene bemannte Flugzeuge einzusetzen und sich gegen die des Gegners zu verteidigen, sondern schließe auch die Fähigkeit ein, eigene konventionell bewaffnete Drohnen, ballistische und Hyperschallraketen einzusetzen und sich gegen die des Gegners zu verteidigen.
[7] Julian Corbett, Some Principles of Maritime Strategy, (London, 1911. Nachdruck Annapolis, 1988) S. 16.
MOR GALLOS – KLUGE MACHTANWENDUNG IM 21. JAHRHUNDERT
Grundsätze und Praxis der Luftverteidigung: Konfrontation mit bequemen westlichen Illusionen
Zusammenfassung…
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‚vor 2 Monaten · 63 Likes · 16 Kommentare · Steve Jermy
[9] Je weiter entfernt ein Einsatzgebiet liegt, desto größer sind die logistischen Herausforderungen und Kosten. Im Zweiten Weltkrieg bauten die Amerikaner – in einer historisch beispiellosen industriellen Meisterleistung – 2.751 10.000-Tonnen-Liberty-Schiffe als Rückgrat eines riesigen globalen militärischen Logistikversorgungsketten. Heutzutage ist China das einzige Land, das dazu in der Lage ist; es baut derzeit über 70 % der weltweiten Schiffsflotte.
[10] Oder, um diese Aussage etwas zu nuancieren: Die militärische Vorherrschaft der USA ist so lange vorbei, wie es dauert, erstens ihre Streitkräftestruktur so anzupassen, dass sie dieser veränderten Welt besser gerecht wird, und zweitens zu klären, warum die USA – und tatsächlich alle westlichen Mächte – bei ihren finanziellen Investitionen in den militärisch-industriellen Komplex ein so schlechtes Preis-Leistungs-Verhältnis erzielen. Zwei Prozesse, die wahrscheinlich mindestens ein Jahrzehnt in Anspruch nehmen werden, bevor sinnvolle Veränderungen erreicht werden könnten.
[11] Andre Beafré, An Introduction to Strategy, übersetzt von Richard Barry, (London, 1963), S. 20–21.
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Übersetzung: UNSER-MITTELEUROPA
- Der Artikel „The Shattered Myth of US Military Primacy“ von S. Jelby im englischem Original: HIER
- Steve Jermy: „Der zerbrochene Mythos militärischer U.S.-Vorherrschaft“ – Teil 1: HIER
- Das Interview von Steve Jermy durch Tucker Carlson – Teil 1 – “E3 Krieg ohne Planung: HIER
- Das Interview von Steve Jermy durch Tucker Carlson – Teil 2 – “EU spielt russisches Roulette”: HIER

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