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3.09.2026 – Alex Krainer(re) im Interview durch Nima Alkhorshid (li) zum Brennpunkt Nahost | Quelle: Screenshot YouTube via „Dialogue Works“

Alex Krainer, Autor und Gründer von Krainer Analytics zu Gast bei Dialogue Works, moderiert von Nima Alkhorshid, erläutert, wie der neo-koloniale Vermögenstransfer der atlantischen Hochfinanz aus Nahost zum Erliegen kam und der Systemwende der Globalen Mehrheit neue Impulse verleiht.

Alex Krainer: „Israel wurde als Brückenkopf der
Kolonialmächte für deren Hegemonie in Nahost geschaffen!“
– Teil 1

Nima: Hallo zusammen. Heute ist Donnerstag, der 3. September 2026 und unser lieber Freund und Bruder Alex Krainer, ist hier bei uns zu Gast: Herzlich willkommen!

Alex Krainer: Danke für die Einladung, Nima. Es freut mich, wieder dabei zu sein und herzliche Grüße aus Kroatien an alle Zuseher!

Nima: Es ist mir eine große Freude, Dich dabei zu haben. Fangen wir mit den Ereignissen zum SCO-Gipfel an [Anmerkung der Redaktion: Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO) in Bischkek, Kirgisistan vom 31.8. bis 1.9.2026 – siehe Link zum UM Artikel dazu am Ende]:

Denn dieser Gipfel verlief irgendwie anders als zuvor und es ist das erste Mal, dass all diese Länder gemeinsam den amerikanisch-israelischen Angriff auf den Iran verurteilten und all jene Länder unterstützen, die Teil der SCO sind und unter massiven Sanktionen der Vereinigten Staaten leiden – darunter der Iran und Russland. Es ist erstaunlich, dass keine dieser Nachrichten im Westen berichtet wurde. Niemand spricht über die Ergebnisse des SCO-Gipfels in Bischkek, als wäre nichts geschehen, obwohl diese doch von großer Bedeutung sind. Was sagst Du dazu, Alex?

Alex Krainer: Nun, ich halte es für normal, dass darüber nicht berichtet wird, denn es ist eine sehr ernste Herausforderung für die westliche bzw. sogenannte regelbasierte Weltordnung. Ich denke, dass der amerikanische Angriff auf den Iran am 28. Februar dieses Jahres ein sehr wichtiges Signal an alle war, dass man mit dieser regelbasierten Weltordnung nicht mehr weiterkomme.

Ich möchte auch betonen, dass wir Trump nicht zu sehr mit den aktuellen Ereignissen in Verbindung bringen sollten, denn Trump ist zwar Teil davon, setzt aber lediglich eine politische Kontinuität fort, welche die westliche Welt nun schon seit Jahrzehnten verfolgt:

Wir wissen, dass der Iran seit 2003 auf der Abschussliste westlicher Kräfte in den Vereinigten Staaten steht!

Das wissen wir von General Wesley Clark. Wir wissen, dass es fortwährende Versuche gab, die Sanktionen nicht lockern, den Iran destabilisieren, seine Wirtschaft in den Zusammenbruch treiben zu lassen und dergleichen mehr. Trump tritt lediglich als der jüngste – vielleicht vulgärste und dümmste – Akteur in dieser Abfolge auf, aber es ist tatsächlich die Politik der westlichen Welt.

Was sich dieses Mal geändert hat, ist Folgendes: Durch ihr Wahlverhalten hat das amerikanische Volk sehr klar und unmissverständlich zum Ausdruck gebracht, dass es nicht Kriege, aber Frieden will. Trump hat die Wahlen gewonnen, weil er versprochen hatte, solche Kriege nicht mehr führen zu wollen. Er hat versprochen, dass er den Iran nicht angreifen werde: Das war ganz eindeutig!

Er hat wiederholt sehr scharfe Kritik an seinen Vorgängern geübt, weil sie seiner Meinung nach die politische Schwäche ihrer Programme mit ihrem Versagen bei der Steuerung der Wirtschaft des Landes durch den Krieg gegen den Iran als Ablenkungsmanöver zu vertuschen versuchten. Alle erwarteten, dass Trump durch den neuerlichen Gewinn der Wahlen ein starkes Mandat erhalten und in der Lage sein werde, eine politische Kurskorrektur herbeizuführen, um die bisherige US-Politik ändern zu lassen.

Trump genoss in dieser Hinsicht sogar gewisse Glaubwürdigkeit, denn aus seiner ersten Amtszeit weiß man, dass er offenbar amerikanische Truppen aus Syrien, dem Irak und Afghanistan abziehen wollte, obwohl dies dann scheiterte. Es ist also nichts passiert. Er sprach sogar davon, US-Truppen aus Deutschland abziehen zu wollen.

Ein Großteil der Welt hatte Hoffnung, dass Trump besagte bisherige Politik ändern könne. Zu Beginn seiner zweiten Amtszeit – innerhalb der ersten Monate – sagten er, Marco Rubio und andere Amtsträger öffentlich, dass die bestehende Weltordnung überholt wäre und als Waffe gegen die Vereinigten Staaten eingesetzt würde. Die neue US-Administration gab vor, sich in Folge für multipolare Integrationen einsetzen zu wollen.

Zumal Trump sich zu guter Letzt jedoch in die Reihe seiner Vorgänger einreihte, indem er die Politik zur Aufrechterhaltung der Hegemonie auf dem eurasischen Kontinent fortsetzen und den Iran angreifen ließ – ging das weit über einen Verrat an seinen Wählern hinaus:

Ich glaube, es war ein Signal an die ganze Welt, dass die amerikanische Politik sich nicht über die Wahlurne mehr ändern ließe. Es spiele keine Rolle mehr, wofür das amerikanische Volk abstimmen würde. Irgendjemand schafft es auf irgendeine Weise immer wieder, sich gegenüber der vom Volk gewählten Administration am Ende durchzusetzen!

Ob man nun Bestechung, Kooption oder Kompromisse angewandt hätte, wie auch immer…

 … verfolgen alle US-Administrationen zuletzt genau dieselbe imperiale, neo-koloniale Politik wie alle Präsidenten davor!

Trump ist also eine Figur, die man leicht hassen kann. Ich sehe viel an harscher Kritik, die sich gegen Trump entlädt, aufkeimen, aber wir dürfen nicht vergessen, dass er diese Politik nicht erfunden hat: Das ist die Politik der westlichen Welt! Wir sollten hingegen versuchen, die Ursachen zu identifizieren, die dazu führen, dass eine solche Politik beschlossen und umgesetzt wird. Ich meine, der Rest der Welt hat endlich verstanden, dass es keine Rolle mehr spiele, wofür das amerikanische Volk abstimme: Die westlichen Militärmächte finden notorisch zur neokolonialistischen Politik zurück. Doch das verleiht der sich neu formierenden multipolaren Welt einen extrem starken Anreiz und Impuls, sich noch schneller [vom Westen] frei zu machen:

Was wir also jetzt auf dem SCO-Gipfel erlebten, war eine sehr deutliche Verurteilungen des bisherigen Systems!

Es herrscht viel mehr an Entschlossenheit und Selbstbewusstsein, um die Brücken zu diesem bisherigen alten System abreißen zu lassen. Zugleich sieht man sich gezwungen, eigene Systeme für Handelsabwicklungen, Reservewährungssysteme, Gold- & Rohstoff-Transaktionen oder was auch immer zu entwickeln. Dazu hat man bestimmte Verpflichtungen einzugehen. Man kann nicht mehr darauf hoffen, mit den Vereinigten Staaten und NATO-Staaten Geschäfte zu machen und diese irgendwie freundlich zu einem eingestellt blieben. Man schließt einfach aus, wie bisher einfach weitermachen und gewissermaßen auf zwei Stühlen sitzen bleiben zu können.

Ich denke, Trumps Krieg gegen den Iran hat gezeigt, dass man sich wirklich für eine Seite zu entscheiden hat. Ich glaube, dass dies den Nationen des Globalen Südens, Russland, China, Weißrussland, dem Iran und den arabischen Staaten und anderen Staaten zunehmend klar geworden ist: Entsprechend haben Sie gehandelt!

Ich glaube, dass wir davon noch mehr erleben werden: Noch viel entschlossenere Bemühungen, um alternative Handelswege, Zahlungssysteme, Abrechnungssysteme und Reservewährungen zu schaffen. Das wird eine neue Sicherheitsarchitektur, die inzwischen definitiv Gestalt annimmt, für den eurasischen Kontinent schaffen!

Nima: Es spielt sich etwas ab, was aus den Verwüstungen, dem Sterben und den Zerstörung in Westasien hervorgeht. Im Iran sah man, was die Angriffe angerichtet hatten. In Bezug auf die GCC-Staaten war zu beobachten, dass Saudi-Arabien bei internationalen Banken einen Kredit in Höhe von acht Milliarden Dollar beantragt hatte. Das geschieht rund sechs Monate nach Ausbruch des Konfliktes. Auch den Vereinigten Arabischen Emiraten und Kuwait ist inzwischen das Geld ausgegangen und auch sie hatten sich an die Vereinigten Staaten um Hilfe gewandt.

Dazu schloss Kuwait ein neues Sicherheits- bzw. Verteidigungsabkommen mit Pakistan ab. Zugleich schlossen sich Pakistan, Saudi-Arabien und die Türkei zur sogenannten „Mekka-Verteidigungsallianz“ zusammen. Das ist der offizielle Name, den sie dieser neuen Bewegung geben.

Der türkische Außenminister trat an die Öffentlichkeit und sagte, Benjamin Netanjahu und Israel bzw. die israelische Regierung stellten ein Problem dar – das könne man in ganz Westasien beobachten, von Syrien über den Libanon bis nach Palästina: Alles dreht sich um die israelische Regierung mit ihrem Verhalten und ihrer Art und Weise, wie sie zu expandieren versucht.

Wie beurteilst Du, Alex, besagte neue Entwicklungen der Region: Denn vor diesen Angriffen ab dem 28. Februar 2026 war in Westasien nichts los: Der Handel durch die Straße von Hormus machte keine Probleme. Keines dieser Länder sah die Notwendigkeit zu einer Agenda, um ein neues Verteidigungs- oder Militärbündnis mit irgendjemandem einzugehen. Denn sie dachten, die amerikanischen Stützpunkte in ihren Ländern würden sie schützen und ihnen eine Art Sicherheitsschirm bieten. Mit dem Krieg gegen den Iran ist das über Nacht alles zusammengebrochen. Wie siehst Du diese Geschehnisse und wohin könnte das noch führen?

Alex: Ich denke, dass es definitiv in Richtung einer vollständigen Niederlage Israels gehen könnte. Denn Israel wurde von Anfang an – schon vor der Balfour-Erklärung von 1917 – als Brückenkopf für westliche Kolonialmächte konzipiert, …

… das heißt zur Zeit des Britischen Empire, um deren Hegemonie über Westasien sicherzustellen!

Israel hat diese Rolle sehr effektiv erledigt: Die Erfüllung dieser Rolle bedeutete, die gesamte Region dauerhaft zu destabilisieren bzw. dauerhaft in einer Krise und dauerhaft entweder im Krieg oder am Rande eines Krieges zu halten!

Das war für die westlichen Kolonialmächte extrem praktisch. Denn wenn man sich auf einen Krieg vorbereitet oder einen Krieg führt, braucht man viel Geld und wäre daher auf Kredite angewiesen: Verfügt man über das Monopol auf globale Finanzkredite, dann zeigt man sich bereit, gleich beiden Kriegsparteien Kredite zukommen zu lassen, um möglichst alle in eine Verschuldung zu treiben. Hätte man darüber hinaus noch ein Monopol auf moderne Waffensysteme, ergeben sich daraus weitere großartige Geschäftsmöglichkeiten:

Denn Länder, die sich permanent auf Kriege vorbereiten bzw. diese dann auch führen, müssen sich jede Menge an Waffen beschaffen. So verkauft man ihnen dann entsprechend auch noch zusätzlich die benötigten Waffen. Dazu schickt man ihnen Berater, infiltriert ihre politischen Strukturen und prägt ihre Gesellschaften, um sie genau nach den eigenen Anforderungen ausgerichtet zu kriegen:

Besagte Anforderungen zielen darauf ab, die Reichtümer dieser Länder immerwährend ausplündern zu können!

Deshalb werden sie in Folge permanent in der Krise gehalten: Zugleich schickt man seine BPs, Exxon Mobiles, KBRs und/oder Halliburtons, um die Wirtschaft dieser Nationen vermeintlich entwickeln zu lassen. Man schickt Ihnen Berater, Ingenieure, Konzerne und dergleichen. Das Ergebnis dieser Beziehung ergibt, dass es praktisch…

… zu einem riesigen Förderband für einen Vermögenstransfer, der von Westasien zu westlichen Finanzzentren führte, kam!

Damit ist inzwischen Schluss: Ich glaube, dass der entscheidende Faktor dabei – geopolitisch betrachtet – Israel ist! Israel war der wesentliche Bestandteil zur Aufrechterhaltung dieser Ordnung. Ich glaube, dass dies so bleiben würde, solange es existierte. Denn es wird zu keiner demokratischen Reform in Israel kommen, welche die israelische Gesellschaft dazu bewegen könnte, zu lernen mit ihren Nachbarn auszukommen, um mit diesen fair und gerecht umzugehen. Das wird nicht geschehen. Ich meine, nur eine Niederlage Israels würde das ermöglichen. Das könnte ggfs. dazu beitragen, die Sicherheitsarchitektur der Region verändert zu bekommen. Es würde der Region zusätzlich helfen, die westlichen Kolonialmächte aus der Region vertreiben zu lassen.

Dabei gilt meiner Meinung nach abzuwarten, welche Rolle die Türkei spielen würde. Was wir jedoch bereits erkennen können, ist, dass der Iran aller Voraussicht die dominierende Rolle einnehmen dürfte. Der Iran unterhält bereits eine sehr starke Partnerschaft, wenn nicht sogar ein strategisches Bündnis mit China und Russland. Was die Türkei angeht, wird man sehen – denn es besteht tatsächlich die Gefahr, vielleicht nicht unmittelbar, aber dennoch, dass die Türkei wegen Syrien in einen Krieg gegen Israel hineingezogen werden könnte.

Zwar ist man noch nicht soweit, aber man bringt seine „Figuren“ schon in Position. Ich glaube, es herrscht eine gewisse Nachlässigkeit, dass es nicht wirklich zu einem Kampf kommen werde, wobei viel geredet wird! Die Hunde bellen laut, aber ich gehe davon aus, dass weder Israel noch die Türkei diesen Krieg wirklich wünschten. Doch man hat zu berücksichtigen: Falls einmal damit angefangen wurde – und die Hunde erst einmal bellen und man Truppen und Waffenarsenale verschieben lässt sowie die Region auf einen Kampf vorbereitet – könnte der Kampf auch ausbrechen und ggfs. außer Kontrolle geraten.

Dann wäre Israel auch mit Griechenland unter einer Decke. Falls so etwas passierte, würde man definitiv versuchen, Griechenland in den Krieg mit hineinzuziehen. Die Türkei und Griechenland sind beide NATO-Mitgliedsländer. Das könnte eine massive Identitätskrise bei NATO auslösen und ggfs. zum vollständigen Zerfall des Bündnisses beitragen – falls es nicht schon früher zusammengebrochen wäre.

Ich denke, es bestehen zu viele Variablen, die es sehr schwierig machen, die Rolle der Türkei vorherzusagen, selbst nachdem die Türkei dieses Bündnis mit Saudi-Arabien und Pakistan inzwischen abgeschlossen hatte. Die Türkei könnte zuletzt zu einem Schwergewicht in der Region werden. Um das jedoch endgültig beurteilen zu können, scheint es noch zu früh, doch vielmehr gehe ich davon aus, dass der Iran definitiv als Schwergewicht hervorgehen könnte. Ich denke, dass die Position des Iran mit jedem Tag stärker und mächtiger wird. Doch, man wird es noch sehen.

Ich denke, was sich vorhersagen lässt – ohne genauen Zeitpunkt – ist, dass Israel Rückschläge erwartet, die dann eine neue Sicherheitsarchitektur, welche vom Iran in Partnerschaft mit Russland und China geprägt wäre, zulassen würden:

Das könnte ein neues eurasisches Jahrhundert oder gegebenenfalls sogar ein euroasiatisches Jahrtausend einleiten!

Fortsetzung Teil 2 folgt

Übersetzung UNSER-MITTELEUROPA

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  • Das Interview von Alex Krainer durch Nima Alkhorshid als Video auf Englisch: HIER
  • UNSER MITTELEUROPA über die SCO-Deklaration von Bischkek über die Westmedien schweigen: HIER


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Von Redaktion

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