Drei CDU-Abgeordnete im Europäischen Parlament drängen auf eine schnellere Zulassung des Benzins E20 in der Europäischen Union. Peter Liese, Jens Gieseke und Norbert Lins haben EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in einem Schreiben aufgefordert, die Einführung des Kraftstoffs mit einem Ethanolanteil von bis zu 20 Prozent voranzutreiben. Dies berichtet die „Bild“ unter Berufung auf ein Schreiben der drei Politiker.
Nach Ansicht der Abgeordneten könnte ein höherer Ethanolanteil dazu beitragen, die Abhängigkeit Europas von importiertem Erdöl zu verringern. Gleichzeitig erhoffen sie sich niedrigere Kraftstoffpreise für Verbraucher. Nach den derzeitigen EU-Vorgaben ist bei herkömmlichem Benzin ein Ethanolanteil von bis zu zehn Prozent vorgesehen, also sogenanntes E10.
Ob E20 tatsächlich zu einer spürbaren finanziellen Entlastung für Autofahrer führt, ist allerdings offen. Ethanol besitzt eine geringere Energiedichte als herkömmliches Benzin. Laut Einschätzungen von Experten, die von der „Bild“ zitiert werden, könnte der Kraftstoffverbrauch bei E20 um rund drei Prozent steigen. Ein niedrigerer Preis pro Liter würde deshalb nicht automatisch bedeuten, dass Autofahrer unter dem Strich weniger bezahlen.
E20 wird bereits in mehreren Ländern eingesetzt. In Indien und Thailand ist der Kraftstoff weit verbreitet, während Brasilien auch Benzin mit noch höheren Ethanolanteilen verwendet. In Deutschland läuft bislang lediglich ein begrenzter E20-Testbetrieb.
Offen ist zudem, welche Fahrzeuge den Kraftstoff ohne Einschränkungen nutzen können. Zwar sind zahlreiche moderne Benziner für höhere Ethanolanteile geeignet, bei älteren Fahrzeugen kann es jedoch Einschränkungen geben. Eine allgemeingültige Freigabe für alle Modelle gibt es bislang nicht.
Die Diskussion über E20 fällt in eine Phase hoher Aufmerksamkeit für die Kraftstoffversorgung in Europa. In Frankreich hatte Präsident Emmanuel Macron angesichts von Lieferproblemen bei Benzin und Diesel zuletzt eine „vollständige Mobilisierung“ der Regierung gefordert. Nach Angaben der französischen Behörden waren rund zehn Prozent der Tankstellen von Problemen bei der Versorgung betroffen.
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