Nicht nur im Winter, auch während der Sommermonate fliegen viele Deutsche freiwillig in Länder, in denen 40 Grad ganz normal sind. Dort liegen sie dicht an dicht am Pool und nennen das Erholung. Kommt aber mal dieselbe Hitze nach Deutschland, entsteht sofort kollektive Panik.
Wir erleben wieder das alljährliche Sommertheater: Kaum klettert das Quecksilber Richtung 35 oder auch mal 40 Grad, brennen im Land kollektiv die Sicherungen durch. Schaltet man den Fernseher ein, überbieten sich die Sender mit roten Wetterkarten. Bevölkerungsschutz-Apps geben Warnstufe Rot aus, die Panikmedien beschwören die lebensgefährliche Gluthölle. Selbst in den Nachrichtensendungen berichten Reporter im Tonfall einer Staatskrise über Hitze.
Der riesige Logik-Fehler
Doch spätestens dann, wenn hierzulande die Temperaturen wieder kühler ausfallen, der graue Winter einbricht oder das Frühjahr zu verregnet ist, mutiert derselbe Mecker-Deutsche plötzlich zum Hitzesuchkopf und strebt in den Ferien nach dem Sommerwetter, das man ihm zuhause als existenzielle Bedrohung verklickert hat. Man kann sich nur noch an den Kopf fassen: Zu Hause gilt Hitze als Bedrohung, im Urlaub gilt sie als Premiumleistung. In Deutschland ist 40 Grad eine nationale Notlage, am Roten Meer ist es plötzlich herrliches Wetter.
Wir fliegen dazu gar um die halbe Welt, um genau das Wetter zu suchen, über das wir uns beschweren, wenn wir es mal zu Hause haben. Wir bezahlen Geld für Temperaturen, vor denen uns daheim Nachrichtensprecher warnen. Wir nennen es Urlaub, wenn wir bei 40 Grad in der Sonne liegen. Wir nennen es Krise, wenn dieselbe Hitze vor der eigenen Haustür steht. Der Widerspruch ist tragikomisch – weil er zeigt, dass nicht die Hitze, sondern Propaganda unsere Hirne beeinflusst.
Es braucht weniger Hysterie!
Ob zuhause oder im Urlaub – natürlich sind hohe Temperaturen, wie auch Eiseskälte, nicht harmlos und erfordern einen angemessenen Schutz und Umgang. Das wussten Menschen schon immer, sie brauchten dafür früher aber keinen Nanny-Staat und keine eigenen Beauftragten, die ihnen sagen, wann sie in den Schatten gehen oder trinken müssen. Was hier völlig verrutscht ist, ist unser Umgang mit der Hitze. Wir lassen uns von der Klimapropaganda ins Bockshorn jagen. Selbst wenn es stimmen sollte, dass es heute wärmer ist als früher (eine durchaus zweifelhafte These): Mit dem Wetter ist alles in Ordnung. Mit unserer Logik weniger.
Der deutsche Sommer braucht nicht weniger Sonne. Er braucht weniger Hysterie. Und vielleicht ein bisschen mehr Erinnerung daran, dass wir für genau diese Glut im Reisebüro schon immer ordentlich bezahlt haben.
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MEINRAD MÜLLER (71), Unternehmer im Ruhestand, kommentiert mit einem zwinkernden Auge Themen der Innen-, Wirtschafts- und Außenpolitik für diverse Blogs in Deutschland. Der gebürtige Bayer greift vor allem Themen auf, die in der Mainstreampresse nicht erwähnt werden. Seine humorvollen und satirischen Taschenbücher sind auf Amazon zu finden. Müllers bisherige Beiträge auf UNSER MITTELEUROPA gibt es hier, seinen Ratgeber für Hobbyautoren hier.
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