Während des Krieges mit dem Iran könnten die USA einen erheblichen Teil ihrer Bestände an Marschflugkörpern und Luftabwehrraketen aufgebraucht haben. Das berichtet das „Wall Street Journal“ (WSJ) unter Berufung auf Analysen zum bisherigen Munitionsverbrauch der US-Streitkräfte.
Demnach setzten die US-Streitkräfte zwischen dem 28. Februar und Mitte Juli rund 1.700 Patriot-Abfangraketen, mehr als 200 THAAD-Abfangraketen sowie etwa 150 seegestützte Standard Missiles ein.
Auch bei den Tomahawk-Marschflugkörpern war der Verbrauch dem Bericht zufolge außergewöhnlich hoch. Allein während der ersten zwei Monate des Konflikts hätten die USA mehr als 1.000 Tomahawks eingesetzt. Nach Einschätzung des Center for Strategic and International Studies (CSIS) entsprach dies etwa einem Drittel der vor Kriegsbeginn vorhandenen Bestände. Bei den Patriot-Abfangraketen könnte demnach rund die Hälfte der verfügbaren Bestände eingesetzt worden sein.
Die US-Rüstungsindustrie versucht inzwischen, die Produktion deutlich auszuweiten. Ein Werk des Rüstungskonzerns RTX in Arizona arbeitet laut „Wall Street Journal“ rund um die Uhr, um die Herstellung von Tomahawk-Marschflugkörpern und weiterer Munition zu steigern. Lockheed Martin stellt derweil in Arkansas Hunderte zusätzliche Mitarbeiter ein, um die Produktion von Patriot-Abfangraketen zu verdreifachen.
Ein schneller Wiederaufbau der Bestände ist jedoch offenbar nicht zu erwarten. Das „Wall Street Journal“ berichtet, dass ein erheblicher Teil der zusätzlichen Produktion erst in einigen Jahren verfügbar sein dürfte. Damit könnten die USA Schwierigkeiten haben, ihre während des Konflikts verbrauchten Arsenale kurzfristig wieder aufzufüllen.
Bereits zuvor hatte die „New York Times“ berichtet, die USA hätten im Konflikt mit dem Iran große Mengen ihrer Bestände an schwer erkennbaren Marschflugkörpern eingesetzt, eine für mehrere Jahre geplante Menge an Tomahawks verschossen und ein Produktionsvolumen von rund zwei Jahren bei Patriot-Abfangraketen verbraucht.
Auch das CSIS warnte in einer Ende April veröffentlichten Analyse vor möglichen Engpässen bei Präzisionswaffen. Sollten die US-Arsenale nach einem größeren Konflikt stark dezimiert sein, könnte die Fähigkeit der Vereinigten Staaten, in künftigen groß angelegten Auseinandersetzungen ausreichend Präzisionsmunition bereitzustellen, vor erheblichen Herausforderungen stehen.
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