Der Krieg mit dem Iran hat die Vorräte wichtiger amerikanischer Präzisionswaffen und Abfangraketen erheblich reduziert. Damit wächst nicht nur der Druck auf das Pentagon.
Auch bei den Verbündeten der USA werden Zweifel lauter, ob Washington gleichzeitig größere militärische Krisen im Nahen Osten, in Europa und im Indopazifik bewältigen könnte.
Haben die USA ihr Pulver bereits zur Hälfte verschossen?
Wie angespannt die Lage ist, lässt sich nur näherungsweise bestimmen. Die tatsächlichen Bestände unterliegen der Geheimhaltung. Das Washingtoner Center for Strategic and International Studies (CSIS) hat jedoch öffentlich zugängliche Haushaltsunterlagen, Produktionszahlen und Berichte über den Einsatz amerikanischer Waffen ausgewertet. Demnach haben die USA im Iran-Krieg ungefähr die Hälfte ihrer ursprünglichen Vorräte an Patriot-, THAAD- und PrSM-Flugkörpern verbraucht. Bei Tomahawk-Marschflugkörpern, JASSM-Lenkwaffen und verschiedenen Standard Missiles soll der Anteil bei etwa einem Drittel liegen.
Besonders kritisch ist die Situation bei der Luft- und Raketenabwehr. Nach jüngeren CSIS-Berechnungen verfügen die US-Streitkräfte nur noch über weniger als 1.000 Patriot-Abfangraketen; einzelne Schätzungen nennen rund 830 Stück. Der Bestand an THAAD-Abfangraketen soll auf etwa 250 gesunken sein. Beide Systeme werden benötigt, um ballistische Raketen abzufangen – also genau jene Waffen, auf die Iran, Russland, China und Nordkorea in großer Zahl setzen.
Potential für weitere Kriegsschauplätze nicht mehr ausreichend
Das Problem besteht nicht darin, dass die Vereinigten Staaten unmittelbar wehrlos wären. Auch das CSIS geht davon aus, dass die noch vorhandenen Bestände für plausible Einsatzszenarien gegen Iran ausreichen. Gefährlich ist vielmehr das Risiko einer zweiten oder dritten Krise. Käme es parallel zu einer Eskalation mit China um Taiwan, zu einer Ausweitung des Krieges in Europa oder zu einem Konflikt auf der koreanischen Halbinsel, müsste Washington dieselben knappen Abfangraketen auf mehrere Kriegsschauplätze verteilen.
Produktion hält mit dem Verbrauch nicht Schritt
Die Ursachen reichen weit über den Iran-Krieg hinaus. Seit dem Ende des Kalten Krieges wurden Munitionsvorräte und Fertigungskapazitäten auf begrenzte Einsätze in Friedenszeiten ausgerichtet. Moderne Raketen sind zudem kompliziert, teuer und von spezialisierten Zulieferern abhängig. Produktionslinien lassen sich deshalb nicht innerhalb weniger Monate beliebig erweitern.
Besonders deutlich zeigt sich das bei den Tomahawk-Missiles. In den vergangenen zehn Haushaltsjahren bestellten die USA im Durchschnitt lediglich 86 Flugkörper pro Jahr. Zuletzt wurden weniger als 200 Exemplare jährlich produziert. Im Iran-Krieg sollen dagegen mehr als 1.000 Tomahawks eingesetzt worden sein. Selbst bereits erteilte Aufträge werden die entstandene Lücke nach Einschätzung des CSIS nicht kurzfristig schließen. Die Wiederherstellung der Vorkriegsbestände bei Tomahawk, Patriot und THAAD dürfte mindestens drei Jahre dauern. CSIS
Der Sicherheitsexperte und frühere deutsche Verteidigungsbeamte Nico Lange bringt das strategische Ungleichgewicht auf den Punkt: Während der Westen Schwierigkeiten habe, genügend Abwehrsysteme herzustellen, gebe es bei Russland, China und Nordkorea keine vergleichbaren Engpässe bei der Produktion ballistischer Raketen. Für einen Angreifer ist es zudem häufig wesentlich billiger, Drohnen und Raketen zu starten, als diese mit hoch entwickelten Abfangflugkörpern zu bekämpfen.
USA wollen massiv nachrüsten
Das Pentagon weist Berichte über eine akute Munitionskrise zurück und betont, die amerikanischen Streitkräfte verfügten weiterhin über robuste Fähigkeiten. Gleichzeitig sprechen die eingeleiteten Maßnahmen für erheblichen Handlungsdruck. Die US-Regierung hat mit Lockheed Martin und Northrop Grumman eine Vereinbarung im Umfang von mehr als drei Milliarden Dollar geschlossen. Die Produktionskapazität für Patriot-Komponenten soll verdreifacht, jene für THAAD vervierfacht werden. Ein weiterer Rahmenvertrag soll die jährliche Tomahawk-Produktion langfristig von derzeit etwa 60 für die US-Streitkräfte auf bis zu 1.000 Flugkörper erhöhen. Der Aufbau neuer Fertigungslinien und Zulieferketten benötigt jedoch Zeit.
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Lesen Sie morgen dazu: USA kann Verbündete nicht mehr ausreichend mit Abfangflugkörpern beliefern

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Tja, wir alle (der Westen) hat auf McKinsey gehört und alles outgesourced.
Unsere ganze Industrie wurde kaputtgemacht.
Dabei weiß jeder Strategist, dass die drei Hauptpunkte für Kriegführen lauten: Logistik, Logistik, Logistik
Wir Deutschen haben das in beiden Weltkriegen nicht kapiert und deshalb verloren.
Jetzt lernt es der komplette Westen (inkl uns Deutschen – erneut!).
Heutige westliche Produkte sollen wohl nicht möglichst gut funktionieren sondern möglichst viel Profit (und inzwischen wohl auch dito Daten 🙁 ) abwerfen.
Und das gilt anscheinend auch für Waffen.
Mal abgesehen davon daß der Westen primär Waffentechnologien aus dem letzten Jahrhundert baut.
Beispiel: was könnten heutige Flugzeugträger (bisheutige westliche Kanonenbootpolitik) und Schlachtschiffe aus dem WK2 gemeinsam haben?
„In der Politik geht es nur noch um die Leute, die absahnen. Wenn wir uns dagegen zur Wehr setzen, werden wir als Nazis beschimpft.“ Auf den Weihnachtsmarkt traue sich kaum noch jemand, klagt sie. Von Siegmund erwartet sie trotzdem keine Wunder: „30 Jahre lang wurde alles in den Wind geschossen – das wird Ulli nicht innerhalb einer Woche ändern können.“ Warum sie ihm dennoch vertraut? „Siegmund denkt, was alle Bürger denken.“
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https://www.berliner-zeitung.de/article/man-arbeitet-nur-noch-um-arbeiten-zu-gehen-der-frust-hinter-dem-afd-zuspruch-10302176