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21.7.2026 – Prof. Jiang Xueqin im Interview durch „The Duran“ zur Eskalation globaler Brandherde | Quelle: Bildmaterial „The Duran“ von UM AI generiert

Professor Jiang Xueqin, Gründer des erfolgreichen Kanals Predictive History – Voraussagende Geschichte, diskutiert gemeinsam mit Alexander Mercouris und Alex Christoforou von der renommierten Analyse-Plattform „The Duran“ eingehend die geballten Konflikte unserer Zeitenwende.

Prof. Jiang Xueqin: „Ich denke, die Ukraine hat aufgehört als Nationalstaat zu funktionieren!“ – Teil 1

Alex Christoforou: Alexander Mercouris ist uns live aus London zugeschaltet. Es ist uns eine große Ehre und Freude zugleich, heute zum ersten Mal bei „The Duran“ Professor Jiang Xueqin vom Kanal Predictive History bei uns zu begrüßen. Ich bin ein großer Fan von Ihnen. Alle Links zu Prof. Jiangs Kanal habe ich in der Beschreibung unten angefügt. Es ist ein fantastischer Kanal auf YouTube. Professor Jiang, vielen Dank, dass Sie bei „The Duran“ heute auftreten!

Prof. Jiang Xueqin: Vielen Dank!

Alex Christoforou: Wir haben viel zu besprechen… Alexander und Professor Jiang, lassen Sie uns mit Vorhersagen geopolitischer Entwicklungen beginnen.

Alexander Mercouris: In der Tat, denn wie bekannt erleben wir inzwischen einen großen geopolitischen Konflikt, der wie ich meine von einigen der beteiligten Parteien nicht so gewollt ist. Ich bin mir absolut sicher, dass China vor einigen Jahren es nicht darauf angelegt hatte, in einen geopolitischen Konflikt hineingezogen zu werden – gleiches gilt für die Russen. Doch beide befinden sich inzwischen in einem geopolitischen Konflikt.

Die anderen großen Akteure sind die Vereinigten Staaten und der Westen. Natürlich spielen sich weltweit alle möglichen Dinge ab: Im Nahen Osten, in der Ukraine, in Lateinamerika mit all diesen Flottenbewegungen rund um Venezuela. Ereignisse aller Art prägen Wirtschaft, Wissenschaft und Technologie. Viele dieser Dinge sind auf vielfältige Weise miteinander verknüpft. Hier bei „The Duran“ gehen wir besagten Themen in der Regel der Reihe nach an: Wir konzentrieren uns auf einzelne Themen und diskutieren sie ausführlich – das heißt Alex und ich sowie manchmal auch gemeinsam mit einem unserer Gäste.

Ich schlage vor, dass wir den Ablauf mit Professor Jiang etwas anders gestalten. Wir wollen versuchen, diverse Ereignisse im Zusammenhang darzustellen, wobei wir uns vor allem – aber nicht ausschließlich – mit dem Konflikt in Europa und den dort stattfindenden Entwicklungen befassen, um zu verstehen, wohin diese uns führen werden. Mit anderen Worten: Wir werden versuchen eine voraussagende Betrachtung anzustellen, um ein besseres Verständnis für mögliche künftige Entwicklungen zu gewinnen. Es gibt niemanden, der dafür besser geeignet wäre als Professor Jiang, von dessen Kanal „Voraussagende Geschichte“ auch ich ein großer Fan bin. Ich möchte seinen Kanal absolut jedem hier empfehlen.

Professor Jiang, lassen Sie uns beginnen. Wir sind uns alle einig, dass wir einen geopolitischen Konflikt weltweit erleben. Es gibt die Vorstellung, dass dies tatsächlich zwei völlig unterschiedliche Konflikte wären:

  • Der Konflikt zwischen Russland und den Vereinigten Staaten mit dem Westen!
  • Der Konflikt zwischen China und den Vereinigten Staaten!

Doch sie scheinen bis zu einem gewissen Grad miteinander verbunden zu sein. In letzter Zeit gab es zwischen Amerikanern und Chinesen sowie auch zwischen Russen und Chinesen viele Arten von Wechselbeziehungen. Im Westen ist das nicht so sehr aufgefallen, doch es lassen sich dem zugrunde liegende Trends feststellen. Es gibt Ereignisse, die den weiteren Verlauf der Dinge prägen werden. Vielleicht könnten Sie das ein wenig weiterführen, um darüber zu sprechen:

Um mit dem Konflikt in der Ukraine zu beginnen: Es ist der erste Krieg seit dem Zweiten Weltkrieg mit größeren militärischen Zusammenstößen in Europa, der hier stattgefunden hat. Europa war historisch gesehen, zumindest vom Westen aus betrachtet, immer ein Dreh- und Angelpunkt. Das ist heute bei weitem nicht mehr annähernd der Fall so wie noch früher. Könnten Sie uns vielleicht ein paar Ihrer Gedanken dazu wissen lassen und wohin das Ihrer Meinung nach führen werde? Vielleicht mit ein wenig Einblicken in die „Vorausagende Geschichte“, wenn ich es so ausdrücken darf – indem man auf die Geschichte zurückblickt und noch andere wissenschaftliche Instrumente heranzieht, in deren Anwendung Sie, wie ich weiß, überaus versiert sind.

Prof. Jiang Xueqin: Vielen Dank, dass ich bei „The Duran“ zu Gast sein darf. Ich bin schon seit etwa vier Jahren ein großer Fan Ihrer Sendung. Ich habe eigentlich erst angefangen, „The Duran“ zu schauen, nachdem am 22. Februar 2022 der Krieg in der Ukraine begonnen hatte. Der Grund dafür war: Alle Mainstream-Medien, die ich verfolgte, zeigten eine Tendenz, wonach die Ukrainer bis nach Moskau durchmarschieren und Putin stürzen würden, zumal die russische Armee inkompetent wäre.

Ich konnte nicht glauben, was ich da erfuhr, weil das für mich absolut keinen Sinn machte. Ich weiß nicht, ob man sich noch an das „Gespenst von Kiew“ erinnern kann – diesen einsamen Kampfjet, der über der Ukraine herumkurvte und einfach auf all die russischen Jets schoss. Die Berichterstattung zu jener Zeit hat mich buchstäblich verrückt gemacht, da diese für mich nicht wirklich einen Sinn ergab. Es schien mir eine bizarre Welt zu erleben. Also habe ich das Internet nach verlässlichen Quellen durchsucht und „The Duran“ gefunden: Sie haben mir buchstäblich das Leben gerettet, weil Sie tatsächlich vernünftige Dinge sagten. Seitdem verfolge ich Ihre Sendungen. Im Grunde stammt alles, was ich über die Ukraine weiß, von Ihnen: Sollte meine Analyse falsch liegen, so wäre das Ihre Schuld, nicht meine – das möchte ich vorab schon mal sagen.

Was die Lage in der Ukraine angeht, bin eigentlich viel pessimistischer, als Sie, denn ich glaube, dass dieser Krieg für die Ukraine verloren geht:

Ich denke, die Ukraine hat aufgehört als Nationalstaat zu funktionieren!

Die Gefallenen werden auf eine bis zwei Millionen Personen geschätzt. Dazu kommen Millionen Ukrainer, die ins Ausland geflüchtet sind. Sollte es morgen zu einem Friedensvertrag kommen, so würde der Donbass an Russland fallen. Er bildet das landwirtschaftliche und industrielle Herzstück der Ukraine. Die Ukraine würde damit aufhören, als Nationalstaat zu fungieren. Sie würde zu einem Sozialstaat, einem Rumpfstaat, den die Europäer unterstützen müssten, gemacht. Daher glaube ich, dass dieser Krieg verloren ist.

Wenn man sich die Lage an der Front betrachtet, ist die Moral unter den russischen Soldaten extrem hoch. Sie beherrschen den Drohnenkrieg in einem Maß, wie es keine andere Nation zustande brächte. Unter den Ukrainern gibt es massive Desertionen. Der Krieg ist also verloren!

Betrachtet man jedoch gleichzeitig historische Muster und historische Analogien, wird klar: Genau in einem solchen Moment wird NATO keine andere Wahl bleiben, als den Krieg immer weiter zu intensivieren. NATO wird in den Krieg eintreten müssen. Warum? Weil man die Tatsache verloren zu haben nicht akzeptieren möchte. NATO könnte nicht vor die Öffentlichkeit treten und einfach zugeben:

  • Hunderte von Milliarden Dollar in der Ukraine verpulvert zu haben!
  • eine Menge der Waffen verloren zu haben!
  • während Putin über vier Jahr Frieden anbot, dazu immer „Nein“ gesagt zu haben!
  • dass es ein Fehler von NATO gewesen wäre, der ihr inzwischen leidtäte!

Das können sie nicht tun. Denn falls sie es doch täten, käme es zu einer politischen Revolution. Selenskyj kann aus demselben Grund jetzt nicht zurückweichen: Falls die Ukrainer jemals die Gelegenheit bekämen, eine vollständige Bilanz der verheerenden Verluste der letzten vier Jahre zu ziehen, würde es zu einer gewaltsamen Revolution innerhalb der Ukraine kommen.

NATO ist also gezwungen, den Krieg weiter eskalieren zu lassen. Zudem darf man nicht vergessen, dass NATO massiv in der Ukraine investiert ist. Sie sind buchstäblich davon ausgegangen, dass sie nach Kriegsende Zugriff auf alle Seltenerd-Metalle der Ukraine haben werden – das war ein Teil ihrer Kalkulation.

Es ist fast so, als wäre man in ein Casino gegangen, hätte 2 Millionen Dollar verspielt und das Casino würde dem Spieler sagen: „Hören Sie mal: Wir nehmen 80% und dann können Sie einfach nach Hause gehen!“ Doch der Spieler kann nicht nach Hause gehen, weil er es seiner Frau nicht zu erklären vermag. Also wird er weiterspielen, auch wenn es ihm ggfs. das Leben kosten dürfte:

Ich weiß, das klingt selbstmörderisch, aber es ist eine für NATO, Europäer sowie die Ukraine sehr ernste Situation!

Die Ukraine ist als Nationalstaat nicht mehr funktionstüchtig: Falls dieser Krieg jemals enden würde, werden die Menschen zu solch einer Erkenntnis gelangen. Somit glaube ich, dass uns die Wahrheit vorenthalten wird. Dazu würde eine Makroanalyse zur tatsächlichen Lage in der Ukraine aufzeigen, dass der Krieg verloren ist und die Lage sich weitaus düsterer darstellt, als man sich überhaupt vorzustellen vermag.

Alexander Mercouris: Lassen Sie uns diesen Punkt, dass NATO noch einen draufsetzen werde, etwas näher beleuchten. Was würde das bedeuten? Bedeutet es, dass NATO in der Ukraine direkt selbst eingreifen wollte, um dort gegen die Russen anzutreten? Doch das wäre ein außergewöhnlicher und unglaublich gefährlicher Eskalationsschritt. Übrigens stimme ich Ihnen zu, dass der Krieg verloren ist. Ich bin mir nicht sicher, wie lange es noch dauern wird, bis die volle Tragweite dieser Tatsache allgemein durchgedrungen sein wird.

Aber konzentrieren wir uns darauf, was NATO zu tun beabsichtigt. Denn falls NATO einmarschieren würde, um gegen die Russen zu kämpfen, würde das, gelinde gesagt, ein einschneidendes Ereignis darstellen. Ich denke, dadurch würde aus einem bisher noch begrenzten Krieg, ein totaler europäischer Krieg gemacht. Das würde uns der Situation, die wir in Europa zwischen 1939 und 1945 hatten, viel näherbringen. Ist es also das, worauf es hinausläuft?

Ich möchte noch erwähnen, dass ich heute Morgen in britischen Zeitungen las, wonach das britische Militär alle verbleibenden selbstfahrenden Haubitzen – was auch immer sie davon noch besitzen – in die Ukraine schicken wollten, um damit die Ukrainer im Kampf zu unterstützen. Zugleich können wir erkennen, dass dies mit logistischen Herausforderungen einhergeht. Ist das die Richtung, in die man steuert? Ist es das, was sie vorhaben bzw. was sie ggfs. tun werden?

Ich habe Erfahrung mit Spielern und deren Psychologie, welche Sie es schon beschrieben haben, ebenso erfasst, wonach sie ihren Einsatz immer weiter nach oben schrauben… Ist es das, was man zu tun beabsichtigt?

Jiang Xueqin: Ich glaube nicht, dass NATO über eine strategische Vorausschau verfügt. Wenn man eine solche hätte, wäre es nie so weit gekommen. Man sollte daran erinnern, was Putin höchstpersönlich dazu gesagt hat:

  • NATO kämpft schon seit vier Jahren in der Ukraine gegen Russland!
  •  Im Krieg gegen Russland stellt die Ukraine nur das Personal in Form von Soldaten!
  • Dazu gesellen sich jedoch NATO-Waffen, NATO-Geheimdienstinformationen, NATO-Spezialeinheiten, NATO-Führung und -Kontrolle sowie NATO-Zielerfassungen!

Wenn also Brücken auf der Krim gesprengt werden, ist es nicht die Ukraine, sondern nur NATO, die das macht!

All diese Angriffe auf Russland in der Tiefe, kommen von NATO. Die Ukraine verfügt nicht über das Fachwissen, das Personal und die Waffen, um so etwas auszuführen. Das liegt alles bei NATO, die sich bereits im Kampf gegen Russland befindet. Was sich gerade beobachten lässt, ist eine schleichende Ausweitung dieses Einsatzes:

Es ist eine Realität, dass NATO-Söldner, NATO-Spezialeinheiten und NATO-Offiziere sich bereits vor Ort in der Ukraine befinden!

Das ist inzwischen ein offenes Geheimnis: So findet einfach eine schleichende und schrittweise Ausdehnung des Einsatzes statt. Meiner Meinung nach wird irgendwann der Punkt erreicht sein, an dem NATO entscheidet, dass die Frontlinien nicht mehr zu halten sind. Beispielsweise ist Perwomajske gefallen nachdem 10.000 Ukrainer dort eingekesselt worden waren. Zumal die Frontlinien sich nicht mehr länger halten lassen, wird Odessa zur letzten Abwehrfront noch werden:

Man wird Odessa zum Stalingrad dieses Krieges machen!

Deshalb glaube ich, dass dort die letzte Schlacht geschlagen werden wird. Das Problem für NATO besteht darin, dass man nicht über die nötigen personellen Ressourcen verfügt, um dort letzten Widerstand zu leisten. Daher wird man letztendlich gezwungen sein, die Wehrpflicht einzuführen. Rumänien hat bereits die Möglichkeit diskutiert, junge Männer einzuziehen. Das stellt NATO vor ein Problem, da NATO-affine Regierungen sich in Europa nicht besonders beliebt machen.

Dazu kommen massive Migrationsbewegungen, was den Sozialvertrag und den sozialen Zusammenhalt weiter schwächt:

Es scheint, als stünden Frankreich und Großbritannien derzeit am Rande eines Bürgerkrieges!

Es ist also eine sehr heikle Situation, in der sich NATO befindet. Einerseits muss NATO Soldaten für diesen Krieg in der Ukraine einberufen lassen und kann es sich nicht leisten diesen Krieg zu verlieren. Andererseits ist es möglich, dass besagte Soldaten an einem gewissen Punkt eine Meuterei anzetteln könnten.

Ich glaube also nicht, dass NATO weiß, was sie tut. Ich glaube nicht, dass NATO einen strategischen Plan für die Zukunft verfolgt. Gleichzeitig herrscht eine Spielermentalität vor, bei der man einfach gezwungen scheint, immer mehr Chips nachzulegen, obwohl es unmöglich scheint bisherige Verluste je zu kompensieren.

Alexander Mercouris: Es ist nicht nur Rumänien, das über die Wiedereinführung der Wehrpflicht nachdenkt. Deutschland tut dasselbe. Ich kenne Deutschland sehr gut. Ich weiß, dass die Stimmung unter jungen Deutschen dieser Idee extrem feindselig gegenübersteht. Ich meine, wenn es zu einem Versuch kommen würde junge Männer aus Europa für den Kampf in der Ukraine zu rekrutieren, es zu einer extrem starken Gegenreaktion – wie Sie schon andeuteten – kommen könnte.

Betrachten wir folgendes Szenario: Die Europäer schicken Truppen, um in Odessa zu kämpfen. Dort findet eine Schlacht à la Stalingrad statt, weil sie einer weit erfahreneren russischen Armee nur unwillige Truppen entgegensetzen können. In Europa würde voraussichtlich dazu große Unzufriedenheit und Entfremdung aufkommen. Es scheint nur schwer vorstellbar, wie eine solche Schlacht gegen die Russen gewonnen werden könnte:

Es scheint vielmehr, falls es je soweit kommen würde, ein Rezept zur Katastrophe zu werden!

Wie könnten sich die Vereinigten Staaten in dieser Situation verhalten?

Jiang Xueqin: Ich glaube, NATO tut das nur, nachdem die Vereinigten Staaten sie dazu gezwungen haben:

Wenn es nach den Europäern ginge, gäbe es keinen Krieg!

Man darf nicht vergessen, dass Deutschland auf billiges russisches Gas angewiesen ist. Dieser Krieg nützt Europa in keiner Weise. Man könnte sogar argumentieren, dass die Europäer seit 2014 im Grunde von den Amerikanern über den Tisch gezogen wurden. Das ist somit etwas, was US-Amerika NATO aufgezwungen hat. Ehrlich gesagt, spielt es für Amerika gar keine Rolle, falls NATO zusammenbräche? Denn das wird ganz oben in Europa entschieden, weshalb wir solch idiotische Entscheidungen haben.

Wen in Amerika interessiert das schon wirklich? Nachdem die USA beschlossen hatten gegen Russland bis zum letzten Ukrainer kämpfen lassen, würden sie gegen Russland auch bis zum letzten Europäer kämpfen lassen:

Denn aus US-Sicht machte das keinen Unterschied!

Es geht den USA lediglich darum, Russland in einen Zermürbungskrieg zu verwickeln. Umso länger sich dieser Krieg hinzöge, umso grösser wäre die Chance, dass die russische Wirtschaft zusammenbrechen könnte.

Tatsächlich sind die Amerikaner absolut zuversichtlich, dass die russische Wirtschaft letztendlich unter amerikanischen Sanktionen zusammenbrechen werde, obwohl es dafür eigentlich keine Anzeichen gibt. Tatsächlich beobachten wir gerade einen Aufschwung der russischen Wirtschaft. Das Problem in Washington, D.C. ist, dass man dort so weit von der tatsächlichen Realität samt allen Konsequenzen entfernt lebt, dass man tatsächlich so unsinnige Entscheidungen fällt.

Die Idee der USA ist: Falls man Russland einfach weiter gegen die Ukraine kämpfen ließe, Russland sich irgendwann erschöpfen würde. Aber das wäre so, als würde man sich sagen: „Nun gut, ich werde gegen jemanden boxen, der im Gegensatz zu mir jeden Tag trainiert hat, doch sich durch sein tägliches Training einfach selbst erschöpfen dürfte! Nachdem es zum Kampf kommen wird, werde ich ihn – nicht er mich – einfach zu Boden schlagen, weil ich ausgeruhter bin, weil ich nicht trainiere!“

Die amerikanische Entscheidungsfindung war noch nie strategisch angelegt oder von klarer Voraussicht getragen. Daher glaube ich nicht, dass Amerika in einer solchen Situation viel unternehmen werde.

Alexander Mercouris: Ist das ein bisschen so wie am Ende des chinesischen Bürgerkrieges – des Krieges zwischen der Kommunistischen Partei Chinas, der Volksbefreiungsarmee und der Kuomintang? Dann kam es zur Niederlage der Kuomintang, die sich nach Taiwan zurückzogen.

Kurz darauf brach der Koreakrieg aus. Die Amerikaner gingen davon aus, mit allen ihren Verbündeten gegen Korea anzutreten und dort zu kämpfen. Die USA haben die Möglichkeit, dass China eingreifen könnte, völlig außer Acht gelassen. Ich habe die Geschichte zum Koreakrieg gelesen und kenne mich damit extrem gut aus: Doch dann greift China ein, was als tiefgreifender und völliger Schock empfunden wird. Selbst zu diesem Zeitpunkt waren sie nicht in der Lage, strategisch zu denken bzw. zu begreifen, dass China auch damals nicht unbedingt zur gegnerischen Seite zählen wollte, aber genau das geschah. Denn die andere Seite musste darauf reagieren, weil sie das als große strategische und sicherheitspolitische Herausforderung für sich selbst ansah.

Diese Unfähigkeit, strategisch zu denken, hat in den Vereinigten Staaten tatsächlich eine sehr lange und tiefe Tradition.

Jiang Xueqin: Es geht nicht nur darum, dass die USA nicht strategisch denken können. Ich meine, da spielt auch ein gewisser Rassismus noch eine Rolle. Wenn man die Dokumente einsieht und betrachtet, was MacArthur, der Oberbefehlshaber der Alliierten Streitkräfte in Korea, sich dachte: Er dachte im Grunde genommen einfach, dass die Chinesen Feiglinge seien. Die Chinesen würden keinen Kampf annehmen, doch nur sterben. Er hatte für die chinesische Armee nur absolute Verachtung übrig und deshalb waren die US-Streitkräfte in Korea überdehnt.

Sie wurden von den chinesischen Streitkräften mühelos eingekesselt. Ich meine, jeder amerikanische Historiker kann bestätigen, dass die chinesische Armee in Korea mit extremem Mut und ausgefeilter Strategie gekämpft hatte. Sie haben die amerikanischen Streitkräfte taktisch überlistet und eingekesselt. Es glich einem Wunder, dass die Amerikaner sich geordnet daraus zurückziehen konnten. Ich glaube somit nicht, dass es nur an mangelnder Stärke liegt, sondern auch an einer tiefen Verachtung gegenüber anderen Nationen.

Mercouris: Das verhält sich auch gegenüber den Russen nicht anders: Denn um auf das zurückzukommen, was Sie eben gesagt haben – diese Verachtung, dass jene vermeintlich inkompetent und ineffizient wären und all diese Dinge.

Jiang Xueqin: Ich habe viele amerikanische Freunde: Sie alle sagen zu mir, dass es in Washington, D.C., eine tief verwurzelte Russophobie gibt. Sie besteht aus einer tiefen Verachtung und tiefen Angst vor Russland, die bisher nicht verschwunden ist. Nicht einmal nach dem Ende des Kalten Krieges. Russophobie stellt dort immer noch eine Triebkraft dar!

Teil 2 folgt

Übersetzung: UNSER-MITTELEUROPA

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Das Video mit Prof. Jiang Xueqin im Interview mit The Duran auf Englisch: HIER



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Von Redaktion

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