web analytics
Bild: https://lubelska.policja.gov.pl/lub/aktualnosci/171647,Szesc-nowych-BMW-trafilo-do-lubelskiego-garnizonu.html

BMW produzierte einst für Hitlers Wehrmacht und beschäftigte 29.000 Zwangsarbeiter. Auch die Geschichte der Eigentümerfamilie Quandt führt bis zum Reichspropagandaminister Goebbels und Hitler. Ein Konzern, der sich heute als moralische Instanz ausweisen möchte, indem er dem demokratisch gewählten Präsidenten des Landtags von Sachsen-Anhalt keinen BMW mehr vermieten will, sollte erst einmal vor der eigenen Tür kehren.

Nach 1933 entwickelte sich BMW zu einem bedeutenden Rüstungskonzern. Flugmotoren für Hitlers Luftwaffe, Motorräder für die Wehrmacht. Die Geschäfte liefen prächtig. Von 35 Millionen Reichsmark Umsatz im Jahr 1933 ging es bis 1944 auf 750 Millionen. Mehr als das Zwanzigfache. Neue Flugmotorenwerke entstanden.

Aus Freude am Fahren – von Dachau zu BMW

Für die gewaltige Rüstungsproduktion wurden immer mehr Gefangene benötigt. Ende 1944 beschäftigte BMW rund 29.000 Zwangsarbeiter. Das war mehr als die Hälfte der gesamten Belegschaft. Im Werk München-Allach mussten sogar Häftlinge aus dem Konzentrationslager Dachau schuften. Bis zu zwölf Stunden täglich. Hunger, Erschöpfung und Gewalt gehörten zu ihrem Alltag. Ohne diese Arbeitskräfte hätte BMW seine Kriegsproduktion nicht aufrechterhalten können.

Und jetzt kommt das Bemerkenswerte: BMW gesteht diese Verbrechen auf seiner eigenen Internetseite ausdrücklich ein. Wörtlich schreibt der Konzern: „An diesen Ereignissen trägt BMW einen erheblichen Teil der Verantwortung und hat sich bei diesem Verbrechen schuldig gemacht.“ Deutlicher kann man es kaum sagen.

Die Quandts und Hitlers Kriegswirtschaft

Auch die heutige BMW-Eigentümerfamilie Quandt hat eine bemerkenswerte Vergangenheit. Günther Quandt trat 1933 der NSDAP bei. 1937 wurde er zum Wehrwirtschaftsführer ernannt. Seine Unternehmen produzierten Batterien, Waffen und Munition für Hitlers Kriegsmaschinerie. Im Batteriewerk Hannover-Stöcken mussten KZ-Häftlinge unter lebensgefährlichen Bedingungen mit giftigem Blei arbeiten.

Auch Sohn Herbert Quandt war NSDAP-Mitglied und hatte Führungsaufgaben in den Familienunternehmen übernommen. Erst 1959 wurde er zum entscheidenden Großaktionär von BMW. Damit vereinigten sich zwei schwer belastete Unternehmensgeschichten.

Hitler als Trauzeuge auf dem Quandt-Gut

Jetzt wird es familiär. Günther Quandt war von 1921 bis 1929 mit Magda verheiratet. Aus dieser Ehe stammte Sohn Harald. Er war der Halbbruder von Herbert Quandt. Nach der Scheidung verliebte sich Magda in Joseph Goebbels, damals NSDAP-Gauleiter von Berlin und später Hitlers Reichspropagandaminister.

Am 19. Dezember 1931 wurde geheiratet. Und wo fand die Hochzeit statt? Auf Gut Severin, das ausgerechnet Magdas geschiedenem Ehemann Günther Quandt gehörte. Doch ein anderer prominenter Herr erschien. Adolf Hitler persönlich: Als Trauzeuge! Da war also Günther Quandt, der Rüstungsindustrielle. Sein Sohn Herbert wurde später zum BMW-Großaktionär. Eine Familiengeschichte, für die man keinen Roman erfinden muss.

Freude am Fahren oder Freude am Belehren?

Natürlich tragen die heutigen angestellten BMW-Manager keine persönliche Schuld an den damaligen Verbrechen. Aber sie sollten wenigstens die Klappe halten. BMW sagt, man habe seine Vergangenheit inzwischen aufgearbeitet und sich an der Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter beteiligt. So wenig wie man damals Probleme hatte, mit dem NS-Staat zu kooperieren, so wenig Skrupel hat der heutige Konzern, dass BMW-Dienstwagen auch von Diktatoren wie Al-Assad, Ghaddafi oder Kim-Yong Il gefahren wurden, oder heute noch von Alexander Lukaschenko. Und ausgerechnet dieser Konzern möchte heute politische “Moral” vermitteln – und kündigt einem demokratisch gewählten AfD-Landtagspräsidenten den Leasingvertrag.

Vielleicht sollte die Konzernführung ihre Kunden lieber mit guten Autos überzeugen, statt ihnen politische Vorträge zu halten. Wer anderen den richtigen politischen Weg weisen möchte, sollte gelegentlich in den eigenen Rückspiegel schauen.


Meinrad Müller.

Zum Autor:
MEINRAD MÜLLER (71), Unternehmer im Ruhestand, kommentiert mit einem zwinkernden Auge Themen der Innen-, Wirtschafts- und Außenpolitik für diverse Blogs in Deutschland. Der gebürtige Bayer greift vor allem Themen auf, die in der Mainstreampresse nicht erwähnt werden. Seine humorvollen und satirischen Taschenbücher sind auf Amazon zu finden. Müllers bisherige Beiträge auf UNSER MITTELEUROPA gibt es
hier, seinen Ratgeber für Hobbyautoren hier.

***



UNSER MITTELEUROPA erscheint ohne lästige und automatisierte Werbung innerhalb der Artikel, die teilweise das Lesen erschwert. Falls Sie das zu schätzen wissen, sind wir für eine Unterstützung unseres Projektes dankbar.

Details zu Spenden (PayPal oder Banküberweisung) hier.





 

Von Redaktion

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert