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Wie Linke & Rechte dem atlantischen NGO-Komplex kollektiv auf den Leim gehen! | Quelle: Substack Ryan Perkins modifiziert durch UM AI generiert

Im zweiten Teil der Serie beschreibt Ryan Perkins, wie der atlantische Tiefe Staat es bisher verstand, ideologische Gefahrenpotentiale von innen und außen gegen seine globalen Herrschaftsansprüche entweder mit psychologischer Kriegsführung oder mit nackter Gewalt niederzukriegen.

Ryan Perkins: „Warum die Rechte die Neue-Linke (made in USA) immer noch für eine marxistische Verschwörung hält?“ – Teil 2a

Einleitung: Von verdeckten CIA-Finanzierungen zur Hegemonie privater Stiftungen

In den drei ersten Teilen dieser Serie wurden die seltsamen Ursprünge von der modernen „Woke“-Linken, welche nicht in den Hallen des Kremls, sondern in den Vorstandsetagen Washingtons dank verdeckter CIA-Operationen entstanden sind, nachgezeichnet.

Man erfuhr, wie der Kongress für kulturelle Freiheit (CCF), der vom amerikanischen Geheimdienst verdeckt finanziert worden war, eine antikommunistische Linke herbeizauberte, die Klassenbewusstsein (wie gewünscht) zugunsten von Kulturkritik und subjektiver Transformation ablehnte. Man wurde zum Zeugen, wie dieses fragile Ökosystem, das1967 aufgedeckt und diskreditiert wurde, nicht einfach verschwand, sondern sich einfach weiterentwickelte:

Das Projekt des ideologischen Engineerings wurde in Folge lediglich privatisiert und an große Stiftungen ausgelagert!

Es waren insbesondere die Ford-Stiftung und später die „Open Society“ unter George Soros, welche besagte Mission übernahmen, um sich der Realisierung [der Massen-Konditionierung] unter dem seriöser wirkenden Banner der Philanthropie anzunehmen.

Dieser zweite Artikel knüpft an, wo der von Teil 1 aufgehört hatte: Teil 2 zeichnet nach, wie man die Sprache der Identität, der [Menschen-]Rechte, der Empathie und von Opferrollen ursprünglich in Seminarräumen US-amerikanischer Stiftungen und Akademien ausbrüten ließ, um die revolutionären Energien aus den 1960er und 70er Jahre kanalisieren und systematisch zu [eigenen westlichen] Waffen schärfen zu lassen.

Im Teil 2 wird verfolgt, wie man jenen ideologischen Werkzeugkasten über den Westen hinaus exportieren lässt und diesen als Instrument geopolitischer Macht einsetzt und nützt, um die Souveränität von Staaten, welche der globalen Hegemonie [des Westens] im Weg stehen, untergraben zu lassen.

Die moderne ideologische Landschaft der liberal-linken Bewegung lässt sich nicht verstehen, ohne dieses zentrale, verdeckte Projekt des Kalten Krieges und seine erratische Evolution begriffen zu haben: Im Jahr 1950 gründete und …

… finanzierte die US-amerikanische Central Intelligence Agency (CIA) verdeckt den „Congress for Cultural Freedom“ (CCF)!

Der Auftrag an das CCF war eindeutig und klar: Es ging darum einen kulturellen und ideologischen Krieg gegen den sowjetischen Kommunismus zu entfachen und westlich liberale Werte, antikommunistisches Denken unter Intellektuellen und Künstlern sowie über Publikationen weltweit fördern zu lassen. Über fast zwei Jahrzehnte wurde der CCF großzügig finanziert: Neben der finanziellen Unterstützung einer Vielzahl renommierter Zeitschriften, darunter Encounter (Großbritannien), Der Monat (Deutschland) und Preuves (Frankreich), ließ man über den CCF Kunstausstellungen, internationale Konferenzen und auch Buchübersetzungen organisieren, um damit überzeugende Eindrücke für die „freie Welt“ zu produzieren.

Diese (verdeckte) Vorgehensweise flog 1967 auf, nachdem investigative Journalisten der „New York Times“ und des Magazins „Ramparts“ die verdeckte Finanzierung durch die CIA aufgedeckt hatten.

[Anmerkung der Redaktion: Ramparts war eine einflussreiche US-amerikanische Politik- und Literaturzeitschrift, die im Jahr 1962 in Menlo Park, Kalifornien, ursprünglich als katholisches Vierteljahresheft für Kultur- und Literatur von Edward Michael Keating Sr. gegründet worden war und bis ins Jahr 1968 eine Auflage von 300.000 erreichte sowie bis 1975 erschien.]

Der daraus resultierende Skandal [um den CCF] löste eine tiefgreifende Legitimitätskrise für die beteiligten Intellektuellen und ihre Projektvorhaben aus. Die verdeckte, staatlich gelenkte Verbreitung von Ideologie war jetzt aufgeflogen und nicht mehr aufrechtzuerhalten. Diese Krise beendete jedoch nicht das Vorhaben, um intellektuelle Strömungen global weiter zu prägen:

Man ließ die Mission einfach privatisieren und institutionalisieren!

Sie wurde von großen privaten Stiftungen, allen voran von der Ford Foundation und später von der Open Society Foundation (OSF) unter George Soros, übernommen. Diese Institutionen boten eine Lösung zum Legitimitätsproblem der CIA an: So konnte man weiterhin dasselbe breite Spektrum an intellektueller, juristischer und zivilgesellschaftlicher Arbeit finanzieren – unter Förderung individueller [Menschen-]Rechte, liberal-demokratischer Werte und sozialer Theorien, um die Befreiung des Individuums durch Transformation anstelle über Klassenkampf und strukturellem Wandel propagieren zu lassen. Das Projekt lief zugleich unter dem offenen Banner der Philanthropie und nicht mehr verdeckt unter dem des nationalen Sicherheitsapparats, was einen bedeutendem evolutionären Sprung gleichkam!

Die ideologische Produktion verlagerte sich nun aus den schattenhaften Bereich über Budgets von Nachrichtendiensten in die seriöse und transparente Welt wohltätiger Förderungen und akademischer Stiftungsgelder. Die Ziele zur Förderung einer an den USA ausgerichteten liberalen Weltordnung blieben unverändert bestehen, doch die Mechanismen [im Hintergrund] wurden nachhaltiger, abstreitbarer, weil tief in den Institutionen der Zivilgesellschaft verankert, um künftig darüber Einfluss zu erlangen. Das ist die Geschichte zur Entstehung und zum Erbe [dieser Mission].

[Anmerkung der Redaktion: Die Übertragung der Umerziehung auf den „privaten Sektor“ unter noch größerer und direkter Kontrolle transnationaler Kreise, erlaubte es diesen Klans möglichen staatlichen Einfluss auf den „Bildungsauftrag“ der anderen Art künftig noch gründlicher und effektiver auszuschalten.]

Im Schmelztiegel der Krise: Das Imperium sieht sich im In- und Ausland Aufständen gegenüber!

Dieses Projekt zur Schaffung eines neuen ideologischen Instruments zum Machterhalt der Eliten war nicht im luftleeren Raum entstanden. Es geschah vielmehr im glühenden Schmelztiegel zur Mitte des 20. Jahrhunderts, als sich das westliche Establishment an zwei Fronten unter Druck gekommen wähnte:

  • Die erste Front war extern und klar umrissen: Die unerbittliche, globale Herausforderung durch den sowjetischen Kommunismus, der eine materialistische Kritik am Kapitalismus und ein starkes und alternatives Modell zur Organisation der Gesellschaft anbot.
  • Die zweite Front war intern, gewalttätiger und weitaus verwirrender: Eine umfassende Revolte gegen die etablierte Ordnung [des Westens], entstanden gleichsam aus dem Herzen der „freien Welt“ heraus.

-Dies war die Ära des U.S.-Feuersturms: Die Bürgerrechtsbewegung, welche die rechtliche Architektur der Jim-Crow-Gesetze zerschlagen hatte und sich zu tiefgreifenderen Forderungen nach wirtschaftlicher und politischer Befreiung hochschaukelte:

[Anmerkung der Redaktion: Die Jim-Crow-Gesetze waren staatliche und kommunale Gesetze in den USA von den späten 1870er-Jahren bis in die Mitte der 1960er-Jahre, die eine strikte Rassentrennung zur politischen und gesellschaftlichen Benachteiligung und Diskriminierung von Schwarzen festgeschrieben hatten.]

  • Martin Luther King Jr., der seinen Fokus auf Armut und den Vietnamkrieg legte, begann Rassengerechtigkeit mit einer Kritik am Militarismus und Kapitalismus zu verbinden!
  • Radikalere Stimmen wie Malcolm X und die Black Panther Party stellten den Kampf ausdrücklich als antikolonialen Befreiungskampf dar und zogen direkte Parallelen wie zwischen den Ghettos von Oakland und den Befreiungskriegen in Vietnam und Algerien. Sie bewaffneten sich, implementierten Programme zum Überleben der Gemeinschaft, indem sie eine Vision revolutionären Wandels, die das politische Establishment in Schrecken versetzte, verbreiteten.

Die Reaktion des Staates bestand dann nicht nur in politischer Opposition, sondern in offener, gewalttätiger Unterdrückung. Wie Anhörungen des Kongresses und inzwischen freigegebene Akten dokumentieren, infiltrierte, sabotierte und neutralisierte das COINTELPRO-Programm des FBI diese Gruppen systematisch, mit dem ausdrücklichen Ziel, „die Koalition militanter schwarzer nationalistischer Gruppen zu verhindern“ und „den Aufstieg eines ‚Messias‘, der die Bewegung vereinen und beflügeln könnte, zu verhindern“.

April 1967: Martin Luther King erklärt “den Krieg zum Feind der Armen!” :

 

Dieser innerstaatliche Aufstand fand weltweit seine Entsprechung: Nationale Befreiungsbewegungen in Afrika, Asien und Lateinamerika stellten neokoloniale Dominanzansprüche in Frage, während …

… in Europa Studentenaufstände und Arbeiterstreiks im Jahr 1968 den Nachkriegskonsens zur Disposition stellten!

Für die Elite stellten diese Kräfte eine vielschichtige Bedrohung dar. Der sowjetische Kommunismus präsentierte ein konkurrierendes Staatssystem, wogegen besagte Befreiungsbewegungen [gegenüber dem Regime im Westen] eine konkurrierende moralische und revolutionäre Vorstellungskraft verbreiteten. Sie stellten nicht nur eine Bedrohung „vor den Toren“ [des Westens] dar, sondern auch eine von innen, indem sie …

… die Klassenkritik mit der explosiven Kraft rassistischer und antikolonialer Missstände verschmelzen liessen!

In dieser Atmosphäre tiefgreifender systemischer Angst – der Furcht, dass die Grundfesten der liberal-kapitalistischen Ordnung sowohl von außen nach innen als auch von innen nach außen auseinandergerissen werden könnten – begann die Suche nach einer ausgefeilteren Kontrollmethode dagegen:

Die alten Instrumente verdeckter Operationen und brutaler Unterdrückung waren notwendig, aber nicht ausreichend. Was benötigt wurde, war eine neue Grammatik der Macht, die in der Lage war, diese radikalen Energien zu entschärfen, ihre moralische Kraft umzulenken und ihre Sprache der Befreiung in einen Rahmen zu kanalisieren, der die grundlegenden Strukturen von Kapital & Imperium letztlich nicht nur intakt lassen, sondern sogar noch stärken würde.

Malcom X 1965: “Wenn wir in Vietnam kämpfen, können wir auch hier kämpfen…!”

[Anmerkung der Redaktion: Sowohl Malcom X (+ 21. Februar 1965) wie auch Martin Luther King Jr. (+ 4. April 1968) hat das atlantische Hegemonial– und Kolonial-Regime wie zu erwarten und einmal mehr auf gewaltsame Weise umgehend ermorden lassen.]

Fortsetzung mit Teil 2b folgt

Übersetzung: UNSER-MITTELEUROPA

***

  • Teil 1a der Serie von Ryan Perkins, „Wie im Kalten Krieg noch Kulturkriege entstanden!“, findet man: HIER
  • Teil 1b der Serie von Ryan Perkins, „Der Kongress für kulturelle Freiheit“, findet man: HIER
  • Teil 1c der Serie von Ryan Perkins, „Das Kulturkrieger-Spektrum von CIA bis zur Philantropie“, findet man HIER

Ryan Perkins: Das Kulturkrieger-Spektrum von CIA bis zur Philanthropie – Teil 1c

Serie „The Ghost in the Machine Part 2 – How the NGO Complex Weaponized Identity (and Why the Right Still think it’s a Marxist Plot)“ im Original auf English: HIER

Zum Autor: Ryan Perkins ist Senior Analyst und als Editor für den Global Economic Indicator tätig. Er lebt in Peking. Seine Analysen wurden in internationalen Medien wie dem „The Atlantic Magazine“ veröffentlicht und sowohl von Unternehmen wie auch Thinktanks in Anspruch genommen. Sein Substack-Blog erreichte Platz 49 in der Kategorie „Weltnachrichten und Politik“.



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Von Redaktion

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