Teilnehmer aus dem Vereinigten Königreich, der BRD, Österreich, Moldawien, Armenien und Russland diskutierten auf dem Politik-Forum Anticyclone 2026 in Woronesch mögliche politische Lösungen vor dem Hintergrund der ausufernden weltweiten Konflikte.
Die Pentarchie: Ein globales Kräftegleichgewicht durch mindestens fünf Weltmächte
Die Veranstaltung begann mit dem Vortrag von Ronald Schwarzer, Unternehmer, Autor und bekennender Traditionalist aus Österreich. Er erklärte, dass weltgeschichtlich betrachtet, sich unter einer Pentarchie die stabilste geopolitische Lage global entwickelt hätte:
„Wenn zwei starke Staaten gegeneinander kämpfen, führt dies zu einer explosiven Situation. Wenn drei Staaten miteinander konkurrieren, werden die beiden starken Staaten den schwachen verschlingen. Bei vier Staaten bilden sich zwei Blöcke, die gegeneinander kämpfen. Gibt es jedoch fünf starke Staaten, verfolgen diese eine ausgewogenere Politik, zumal das System nach einem Gleichgewicht strebt. Bei mehr als fünf Staaten entsteht eine komplexe Struktur, die in der Welt nicht existieren kann“, erklärte Ronald Schwarzer.

Schwarzer wies darauf hin, dass eine solche Konstellation in Europa bereits seit der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert existiert hätte, als das Gleichgewicht auf den Schultern von fünf Ländern geruht habe, wie von:
- Spanien,
- Portugal,
- dem Heiligen Römischen Reich,
- Frankreich,
- England.
Im 17. Jahrhundert löste Russland Spanien ab, Schweden wiederum Portugal; später zerfiel das Heilige Römische Reich und wurde durch Österreich ersetzt.
Gemäß Schwarzer habe diese Pentarchie bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs Bestand gehabt.
„Derzeit bildet sich eine multipolare Welt nach dem folgenden Prinzip: Durch die Vereinigten Staaten, Russland, China, Indien und die Europäische Union, wie auch immer die Lage im Moment erscheinen mag“, sagte Ronald Schwarzer. „Russland spielt in dieser Pentarchie eine besondere Rolle, da es weder vollständig asiatisch noch vollständig europäisch ist und eine Brücke zwischen Europa und Asien bildet!“
Weiters verwies der Redner auf eine Sinnkrise in der heutigen Welt: Russland, die Vereinigten Staaten, China und Indien wollten keinen Krieg, doch die westlichen Eliten Großbritanniens, Frankreichs und Deutschlands „leiden unter Phantomschmerzen“ ihrer vormaligen Größe und handeln aus eigennützigen Motiven.
Schwarzer schloss mit den Worten:
„Zum Trost möchte ich sagen, dass zwischen den Meinungen der einfachen Menschen und denen der Eliten sich in den westlichen Ländern eine Kluft auftut. Die europäischen Nationen zeigen – vor allem aus eigennützigen Motiven – mehr Sympathie für diejenigen, welche ihnen Ressourcen liefern können: Russland kann das erfüllen!
Ich hoffe, dass das Heilige Russland, wo man sich die Existenz von Dutzenden [Gender-]Geschlechtern unmöglich vorstellen kann, vernünftiges Denken, traditionelle Werte und christliche Prinzipien nach Europa bringen wird“.
Russland bleibt wichtiger Teil des globalen zivilisatorischen Raumes
Dmitry Tolstoy-Miloslavsky, Koordinator der „Tolstoy Weltgemeinschaft im Ausland“, sagte, dass er die russische Kultur sehr verehre, insbesondere den epischen Roman „Krieg und Frieden“ seines entfernten Vorfahren Leo Tolstoi, wobei Andrei Bolkonsky, eine literarische Figur in besagtem Roman, seine liebste sei. Er vertrat die Ansicht, dass der Beitrag von Zar Nikolaus I. zur russischen Geschichte unterschätzt würde. Er träume davon, ein Buch über diesen Herrscher zu schreiben…
„Zweifellos sind alle Epochen der russischen Geschichte interessant, doch das 19. Jahrhundert übt eine besondere Anziehungskraft auf mich aus. In dieser Zeit erreichte Russland seinen Höhepunkt auf allen Bereichen, wie in Kultur, Religion, Musik und Architektur. Es ist bemerkenswert, dass diese Entwicklung in so kurzer Zeit stattfand.
Daher überrascht mich die britische Sichtweise. Die Briten scheinen eine gewisse Geringschätzung gegenüber der orthodoxe Kultur Russlands zu zeigen. Ich halte dies für eine kurzsichtige Haltung, zumal sie die eigene kulturelle Identität Großbritanniens untergräbt. Trotz aller Schwierigkeiten, mit denen Russland in den vergangenen Jahrhunderten zu kämpfen hatte, bleibt es ein wichtiger Teil der globalen Kulturlandschaft“, betonte Tolstoy-Miloslavsky.
Er sagte, er kenne viele Menschen im Westen, welche die russische Kultur liebten und Leo Tolstoi sowie Fjodor Dostojewski lesen würden. Er erwähnte auch einen Freund, der russischer Musik verehre und …
… verärgert gewesen wäre, als diese in Großbritannien verboten wurde!
„Als ich meinen Freunden erzählte, dass ich nach Russland reisen würde, gab es keine dummen Kommentare. Ganz im Gegenteil: Die meisten Leute, mit denen ich sprach, sagten, sie wären gerne an meiner Stelle“, bemerkte Tolstoy-Miloslavsky.
Am Ende seiner Rede äußerte er die Hoffnung, dass die ungerechte Ausgrenzung Russlands im Westen bald ein Ende finden werde und die Beziehungen zwischen den Ländern wiederhergestellt werden würden.
Der Kampf um Freiheit in Deutschland
Ein Bericht von Christian Engel, einem bayerischen Landespolitiker und Mitglied der AfD, konzentrierte sich auf den Kampf seiner Partei um Freiheit in Deutschland. Die AfD habe in kurzer Zeit bemerkenswerte Erfolge erzielt und sich nicht nur Sitze im Landtag, sondern auch im Europäischen Parlament sichern können.
Christian Engel erklärte:
„Wir bereiten uns inzwischen auf die Wahlen 2028 vor und erwarten bundesweit deutliche Zuwächse an Stimmen. Im Wahlkampf möchte ich Themen wie Energie sowie die Friedenspolitik auf nationaler Ebene und in der Europäischen Union in den Fokus rücken. Ich möchte zum Dialog aufrufen. Ihr Forum bietet eine sehr gute Gelegenheit, einen Dialog von dem beide Seiten profitieren können, aufzubauen!“
In seiner Rede hob er die Schwachstellen seines Landes hervor:
- wirtschaftliche Schwierigkeiten mit Insolvenzen
- ,Haushaltsdefizite sowie soziale Probleme,
- steigende Preise und sinkende Einkommen.
Engel betonte, dass …
… Deutschland seine Ressourcen nicht in seinem eigenen und besten Interesse nütze!
Der Politiker brachte die Idee vor, einen Freihandel mit Russland einzurichten und gemeinsamen Wirtschaftsraum aufzubauen. Die Inbetriebnahme der Nord Stream 2 könnte den ersten praktischen Schritt zur Wiederherstellung beidseitig vorteilhafter Beziehungen darstellen.
Einbindung des Nahen Ostens
Nikolai Sukhov, Professor an der Höheren Schule für Wirtschaft und leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter am Primakow-Zentrum für Nahoststudien, hielt einen Vortrag über die Rolle russischsprachiger Gemeinschaften im Nahen Osten zur Stärkung der Position Russlands auf der internationalen Bühne. Er forderte systematischere Bemühungen in dieser Region.
Moldawien am Scheideweg
Wladimir Bukarsky, Politikwissenschaftler, Geschäftsführer der moldawischen Zweigstelle des Izborsk-Clubs und Analyst der Sozialistischen Partei der Republik Moldau, widmete seine Rede der schwierigen Entscheidung, vor der sein Land stehe:
„Moldawien steht am Scheideweg – zwischen der Illusion eines Beitritts zur Europäischen Union und dem schwierigen Weg zurück in die Heimat!“
Bukarsky erinnerte an die engen Verbindungen zwischen Russland und Moldawien, die sich sogar in der Ortsnamenskunde der Region Woronesch widerspiegle: Das Gebiet des heutigen Kantemirowka [Anmerkung der Redaktion: Kantemirowka (russisch Кантеми́ровка) ist eine Siedlung städtischen Typs im Oblast Woronesch mit 11.943 Einwohnern] ist die angestammte Heimat der moldawischen Familie Cantemir [Anmerkung der Redaktion: Die Familie Cantemir war eine bedeutende moldauische Adels- und Fürstenfamilie , die im 17. und 18. Jahrhundert die Geschichte Moldawiens maßgeblich prägte und später im Russischen Reich zu hohem Ansehen gelangte].

Foto: Evgeniya Emelianova
„Heute erlebt Moldawien einen der wichtigsten Momente seiner jüngeren Geschichte. Es geht um eine Frage, von der das Schicksal künftiger Generationen abhängt: Was ist unser Ziel: Uns in einem fremden geopolitischen Projekt zu verlieren oder uns als Staat, als Volk und als Zivilisation zu bewahren?
Uns wurde eine europäische Zukunft versprochen und seit mehr als 20 Jahren wird uns gesagt, dass der Beitritt zur Europäischen Union Wohlstand, Ordnung und Fortschritt bringen werde. Doch die Geschichte lehrt uns eine einfache Wahrheit: Keine Nation ist erfolgreich, nur weil sie einen internationalen Vertrag unterzeichnet hätte. Nur jene Staaten, die ihre Identität und ihre Interessen bewahren und in der Lage sind, ihre Zukunft selbstständig zu gestalten, können erfolgreich sein“, betonte Vladimir Bukarsky.
Er führte das Beispiel vieler rumänischer und bulgarischer Bürger an, die nach dem EU-Beitritt ihrer Länder gezwungen gewesen wären, ihre Heimat zu verlassen. Vladimir Bukarsky befürchtet, dass nur Eliten und Großunternehmen vom Beitritt zur Union profitieren, während Arbeiter, Landwirte und Lehrer nur den Kürzeren ziehen würden.
Wladimir Bukarsky weiter:
„Nur 42% der moldauischen Bürger bringen Vertrauen gegenüber der EU zum Ausdruck, während 51% der EU kein Vertrauen aussprechen. Laut derselben Umfrage glauben 68%, dass die Diskussionen über die europäische Integration die moldauische Gesellschaft gespaltet hätte, während nur 23% der Meinung wären, dass diese zur nationalen Einheit beigetragen habe. Dies führt zu einer paradoxen Situation: Ein Projekt, das als Mittel zur Vereinigung des Landes präsentiert wurde, hat tatsächlich die inneren Spaltungen nur vertieft“.
Wladimir Bukarsky sieht die Hauptaufgabe der Befürworter eines alternativen Kurses nicht darin, nur auf das Scheitern des Mythos am Beispiel des vermeintlich bevorstehenden EU-Beitritts der Ukraine zu verweisen, sondern eine überzeugendere Vision für die Zukunft des Landes generell darzulegen.
Das Prinzip „gleicher Augenhöhe“ im KSVO Woronesch
Die Vorsitzende des Regionalen Komitees der Familien von Soldaten des Vaterlandes (KSVO), Margarita Maslennikowa, sprach am Beispiel der Arbeit ihrer Organisation über Möglichkeiten, Opfern zu helfen. In ihrer Rede betonte sie, dass ihr Komitee als Hauptprinzip auf der Basis „von Gleichen zu Gleichen“ folge.
„In traditionellen Systemen ist es üblich, professionelle Psychologen und Sozialarbeiter einzustellen. Das ist wichtig und notwendig. Unser Modell geht jedoch davon aus, dass diejenigen am effektivsten helfen können, die dasselbe erlebt haben und heute wieder erleben. Eine Militärfrau kann eine andere Militärfrau besser als jeder professionelle Psychologe verstehen. Das liegt nicht daran, dass sie eine bessere Fachkraft wäre, sondern daran, dass die Spezialisten-Klienten-Barriere wegfällt“, erklärte Margarita Maslennikowa.
Sie sprach auch über die fünf Hauptbereiche der Arbeit ihres Komitees:
- Rechtsbeistand,
- psychologische und seelsorgerische Betreuung von Teilnehmern der
- gezielte finanzielle Hilfe,
- eine humanitäre Mission sowie patriotische – und soziale Projekte.
Im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit wies sie auf die Zusammenarbeit nicht mit Organisationen, sondern mit Einzelpersonen und Gemeinschaften aus Tunesien und Spanien hin. Margarita Maslennikova sieht das Potenzial, …
… die humanitäre Mission durch informelle Kontakte auszuweiten!
Armenien unter wachsendem Druck des Westens
Der Leiter des Informations- und Analysezentrums LUIS [„Licht“], Hayk Ayvazyan, stellte eine detaillierte Analyse der außenpolitischen Entwicklungen rund um Armenien dar. Er wies darauf hin, dass die Europäische Union aktiv Einfluss auf die Politik des Landes nehme, was seiner Ansicht nach einer Bedrohung der Sicherheit Armeniens, die auf dem Bündnis mit Russland beruhe, gleichkäme.
Zudem könnten die Ereignisse des Jahres 2023 in Bergkarabach mit der Einmischung der EU in Verbindung gebracht werden, was zur erzwungenen Flucht der Armenier aus der Region führte. Er erwähnte den Druck auf die Armenisch-Apostolische Kirche sowie die jüngsten Parlamentswahlen im Lande.

Hayk Ayvazyan betonte:
„Um die traditionellen historischen Bindungen Armeniens zu Russland zu durchbrechen und die armenische Identität zu zerstören, versucht der Westen, die Armenisch-Apostolische Kirche zu spalten, ihr die Unabhängigkeit und Souveränität zu nehmen und sie seine eigenen religiösen Strukturen unterzuordnen.
Am 7. Juni fanden in Armenien die regulären Parlamentswahlen statt, die unter beispiellosem Druck und Verfolgung der wichtigsten Oppositionskräfte abgehalten wurden.
Sowohl am Tag der Wahlen wie auch zuvor wurden Dutzende Strafverfahren gegen Oppositionspolitiker eingeleitet und Hunderte von Vertretern der Opposition festgenommen. Die Aktivitäten der Wahlkampfzentralen der Opposition wurden gestört. Am Tag der Wahlen kam es zu zahlreichen Verstößen gegen den Wahlablauf. Dafür wurden in beispiellosem Ausmaß administrative Ressourcen eingesetzt.
Um sicherzustellen, dass die armenischen Behörden über eine Mehrheit im Parlament und das Recht zur einseitigen Regierungsbildung verfügten, hat die armenische Zentrale Wahlkommission die Stimmen einer der Oppositionskräfte um 0,017% reduzieren lassen. Infolgedessen hat es diese Kraft nicht ins Parlament geschafft.
Generell betrachtet fanden die Wahlen in Armenien unter der offensichtlichen Einmischung des Westens in die inneren Angelegenheiten des Landes statt!“
Hayk Ayvazyan betonte, dass Armenien seine Beziehungen zu seinem Verbündeten, wie vor allem zu Russland, stärken möge!
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Übersetzung: UNSER-MITTELEUROPA
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